Von der Domina-Erzählung aus München zur echten Session
Wer in München lebt, hat es zu mir nicht weit. Meine persönlichen Sessions gebe ich im Studio 60, einem BDSM-Studio im Nordwesten der Stadt, und an keinem anderen Ort: nicht in deiner Wohnung, nicht im Hotelzimmer, nicht im Büro. Diese Geschichte spielt an Plätzen, an denen du vielleicht jede Woche vorbeigehst. Ihre Figuren sind erfunden; eine Session wie die, um die sie kreist, kannst du wirklich buchen – allein mit mir oder als Duo mit meinem Dominus.
So wird aus dem Lesen ein Termin:
- Unter Termin wählen legst du die Art fest – eine Stunde, Intensiv mit drei Stunden oder Remote mit 45 Minuten – und suchst Tag und Uhrzeit aus. Für das Duo setzt du das Häkchen bei Alexander Blake.
- Ein Klick öffnet WhatsApp oder Telegram mit einer vorbereiteten Nachricht, in der Preis und Referenz schon stehen. Verbindlich wird der Termin erst, wenn ich dir persönlich zusage.
- Mit 50 € Anzahlung hältst du ihn fest; sie wird verrechnet. Das Zimmer im Studio 60 reservierst und bezahlst du direkt beim Studio und schickst mir die Buchung als Screenshot. Die Raummiete ist nicht Teil meines Honorars.
Mein Honorar beträgt 250 € je Stunde, für Stunden ab 20 Uhr 300 € je Stunde; für Alexander Blake kommen 300 € je Stunde hinzu. Die Einzelheiten stehen unter Preise, wie das Duo aufgebaut ist, unter Domina und Dominus. Passt dir ein Besuch im Studio gerade nicht, oder bist du aus München verreist, erreichst du mich per Video: 45 Minuten, weltweit, ab 180 €. Ich spreche und schreibe Deutsch und Englisch. Erzählungen, die in anderen Städten beginnen, findest du unter Domina Stuttgart und Domina Dresden.
Münchner Nächte: Glockenbach, Leder und ein Keller am Maximiliansplatz
München feiert leiser als andere Großstädte und genauer, als man von außen denkt. Das Glockenbachviertel rund um die Müllerstraße und das benachbarte Gärtnerplatzviertel gelten seit Jahrzehnten als Szeneviertel; in den Sechzigerjahren soll die Polizei einem Unternehmer, der in Schwabing eine schwule Bar eröffnen wollte, geraten haben, es stattdessen dort zu versuchen, weil man sie im Viertel duldete. 1967 kam der Ochsengarten hinzu, der sich bis heute Münchens erste Bar für Jeans-, Leder-, Uniform- und Gummi-Kerle nennt. Sonntags ist dort Fetisch-Tag, und am Donnerstag, wenn sich der SM-Stammtisch trifft, gilt die Regel „nur Männer“ ausnahmsweise nicht.
Organisiert trifft sich ein Teil der Szene im Münchner Löwen Club, einem schwulen Verein mit Fetisch-Schwerpunkt, der eigene Abende mit Dresscode und Partys veranstaltet. Am sichtbarsten wird das alles im Sommer beim CSD: zwei PrideWeeks mit mehr als achtzig Veranstaltungen, 2025 säumten rund 300.000 Menschen die Parade. 2026 zog das Straßenfest aus Platz- und Sicherheitsgründen vom Marienplatz auf die Ludwigstraße, die am Odeonsplatz beginnt, wenige Schritte vom Hofgarten.
Wer tanzen will, steigt am Maximiliansplatz in den Keller der Roten Sonne: Techno seit 2005, Platz für ein paar hundert Gäste, dazwischen queere Partyreihen. Ruhiger geht es direkt am Hofgarten zu, bei Schumann's, 1982 von Charles Schumann gegründet, seit 2003 am Odeonsplatz und lange Stammbar von Autoren und Journalisten.
Professionelle Domina-Studios gibt es in München ebenfalls, aber sie treten zurückhaltend auf: keine Leuchtschrift, kein Schaufenster, man findet sie über ihre eigenen Seiten. Namen nenne ich hier keine. Mein Ort in dieser Stadt ist das Studio 60 in Moosach. Dorthin führt auch die Erzählung – nicht in einer dieser Nächte, sondern an einem hellen Montagnachmittag.
Acht Bögen und ein Taktstrich
Was folgt, ist frei erfunden: J. und sein Orchester gibt es nicht. Den Hofgarten, das Tambosi und die Sätze Nietzsches gibt es sehr wohl.
Ende Oktober steht das Licht im Hofgarten schon am Nachmittag tief. Es kommt über die gelben Türme der Theatinerkirche, fällt durch Klenzes Hofgartentor – 1816 sein erstes Bauwerk in München, ein Tor wie ein Taktstrich zwischen Platz und Garten – und legt sich auf den Kies. Vom Dianatempel in der Mitte gehen acht Wege aus, einer aus jedem seiner acht Bögen. Wer sitzt, sieht das Muster nicht. Er geht es erst später ab.
Ich saß an einem der Tische vor dem Tambosi, mit Tee und einer abgegriffenen „Geburt der Tragödie“. Kaffee wird am Hofgarten seit 1775 ausgeschenkt; damals öffnete ein gewisser Giovanni Pietro Sarti hier einen Ausschank für Kaffee, Schokolade und Limonade. 1810 pachtete Luigi Tambosi das Kaffeehaus, und sein Name blieb. Ich mag Orte, die eine Form so lange halten.
Am Nebentisch schlug ein Mann den Takt. Nicht mit dem Fuß, wie Leute, die Musik nur hören, sondern mit dem Zeigefinger der rechten Hand, knapp über der Tischplatte, in kleinen, sehr genauen Figuren. Aus dem Tempel kam ein Cello; ein Straßenmusiker spielte Bach unter der Kuppel, zwischen den vier Wandbrunnen mit ihren Muscheln. Der Mann dirigierte ihn, ohne es zu merken.
„Er eilt“, sagte er, als er meinen Blick bemerkte. „Er hat Angst vor der Pause.“
„Und Sie?“
Er sah auf mein Buch und dann auf mich. „Ich habe Angst vor allem, was danach kommt.“
Er hieß J., war Dirigent und probte in jenen Wochen einen „Tristan“; wo, sagte er nicht, und ich fragte nicht. Die Oper wurde 1865 in München uraufgeführt. Nietzsche hat seinem Buch ein Vorwort an Richard Wagner vorangestellt und im einundzwanzigsten Abschnitt gefragt, ob ein Mensch ihren dritten Akt ohne Wort und Bild, als reinen symphonischen Satz, hören könne, ohne daran zu vergehen.
„Apollo ist mein Beruf“, sagte er. „Einsätze, Tempo, Balance. Neunzig Menschen schauen jeden Abend auf meine rechte Hand.“
„Und Dionysos?“
„Den verlange ich von ihnen. Ich selbst habe ihn nie bekommen.“
Ich las ihm vor, wie Nietzsche den Gott der Form beschreibt: „jene maßvolle Begrenzung, jene Freiheit von den wilderen Regungen, jene weisheitsvolle Ruhe des Bildnergottes“. Er lachte kurz. „Das bin ich. Bis auf die Ruhe.“
Auf dem Dach des Tempels stand die Tellus Bavarica, eine Frauengestalt als Sinnbild des Landes Bayern. Ich sagte ihm, dass sie eine Kopie ist; das Original von Hubert Gerhard steht drinnen in der Residenz, vor dem Wetter geschützt. „Wie ich“, sagte er. „Draußen steht die Kopie.“
Dann fragte er, was ich beruflich tue, und ich sagte es ihm. Er erschrak nicht. Er dachte nach, den Finger in der Luft. „Können Sie beides? Form und Rausch?“
„Ich bin die Form“, sagte ich. „Für den Rausch arbeite ich mit einem Dominus. Alexander Blake.“
„Zwei Dirigenten in einem Raum. Das geht nie gut.“
„Es gibt keinen zweiten Dirigenten. Es gibt eine Partitur und zwei Stimmen. Die Partitur schreibe ich.“
Ich zahlte meinen Tee, nannte ihm meine Seite und sagte: „Schreiben Sie mir. Nicht heute.“ Im Tempel setzte das Cello ab, mitten in einer Phrase, und für einen Moment hielt der ganze Garten still. J.s Finger blieb in der Luft stehen. Ich ging durch das Tor hinaus auf den Odeonsplatz und sah mich nicht um.
Eine Partitur in drei Briefen
Sein erster Brief kam vier Tage später per Telegram, und er war gebaut wie ein Programmheft: Anlass, Besetzung, Dauer. Intensiv, drei Stunden, mit Dominus. Ich antwortete mit Fragen, nicht mit Zusagen.
Erfahrung? Keine, schrieb er, nur Vorstellungen, und die seien ihm peinlich genau. Gesundheit? Eine gereizte Sehne in der rechten Schulter, zwanzig Jahre Dirigieren; der Blutdruck in Ordnung, keine Medikamente, nichts am Herzen. Grenzen? Nichts, was man an einem Dirigenten im Frack sehen könnte, also nichts an Hals und Händen. Die Hände seien ohnehin tabu, er brauche sie am Donnerstag wieder.
Ich schrieb ihm meine Regeln zurück. Seine Arme kommen nie über Schulterhöhe. Das Seil liegt um die Handgelenke, vor dem Körper, locker genug für zwei Finger, und es kommt nie in die Nähe des Halses. Bevor der Rohrstock spricht, wärmt meine Hand. Er trifft nur das Gesäß, nie Steißbein oder Nieren, und es gibt eine Obergrenze: höchstens sechsunddreißig Schläge in drei Stunden, in Stufen, die ich bestimme. J. darf jederzeit beenden. Nüchtern kommt er ohnehin – auch das Glas Wein zum Mittagessen lässt er an diesem Tag aus.
Als Safeword schlug er „Fermate“ vor. Ich lehnte ab. Eine Fermate verlängert, sie beendet nichts, und ein Wort aus seinem Beruf würde er im falschen Moment für Musik halten. Wir nahmen „Kiesel“, nach den Wegen im Hofgarten. Dazu ein Zeichen ohne Worte, falls ihm die Stimme wegbleibt: Er würde seinen eigenen Taktstock in der Hand halten. Fällt der Taktstock, ist es vorbei. Ohne Frage, ohne Folgen.
Sein zweiter Brief war kurz und kam über den Kalender auf meiner Seite: ein Montag, 14 Uhr, Intensiv, das Häkchen beim Dominus gesetzt, das Zimmer im Studio 60 selbst gebucht und bezahlt, der Screenshot hing an. Ich bestätigte, er leistete die Anzahlung.
Alexander las meine Notizen am Abend davor. „Ich bin also der Rausch“, sagte er. „Und wenn er den gar nicht will?“
„Er will ihn. Er hat nur nie gelernt, ihn sich nehmen zu lassen. Du nimmst ihm den Takt. Ich halte die Zahl.“
Der dritte Brief kam um Mitternacht. Heute habe ich in der Probe eine Generalpause zu kurz geschlagen. Das Orchester hat es gemerkt. Ich antwortete nicht. Manche Sätze brauchen keine Antwort, sondern einen Termin.
Erster Satz: sechzig Schläge in der Minute
Er stand zwei Minuten vor zwei vor der Tür und wartete, bis es zwei war. Dunkler Anzug, das Telefon schon aus, das Honorar im Umschlag. Natürlich.
Alexander lehnte an der Wand und sagte nichts. J. sah dreimal zu ihm hinüber, bis ich ihm sagte: „Er ist noch nicht da. Du wirst merken, wann er kommt.“
Zuerst die Form. Ich ließ ihn das Wort wiederholen. „Kiesel.“ Dann legte ich ihm den Taktstock in die rechte Hand, schloss seine Finger darum und sagte noch einmal, was gilt: Fällt er, hört alles auf. Ich band ihm die Handgelenke vor dem Körper, zwei Windungen Baumwollseil, ein Knoten, der sich nicht zuzieht, zwei meiner Finger zwischen Seil und Haut. Ich fragte nach Kribbeln. Keines. Das lose Ende behielt ich in der Hand; wohin er sich neigte, bestimmte ich mit zwei Fingern. Er stand vornübergebeugt an der Lehne eines schweren Stuhls, die gebundenen Hände auf dem Polster, den Taktstock zwischen den Fingern wie vor einem Einsatz.
Auf dem Tisch stand ein Metronom. Ich stellte es auf sechzig. „Du kennst das Tempo. Der Rohrstock trifft auf einen Schlag, den ich wähle. Du zählst laut.“
Zuerst kam meine Hand, flach und gleichmäßig, bis die Haut warm war und sein Atem dem Pendel folgte; diesen Schlägen gab ich keine Zahl. Erst dann nahm ich den Rohrstock, begann leicht, beinahe höflich, und steigerte über zwölf Schläge. Er zählte fehlerlos. Er zählte zu fehlerlos. Bei sieben hörte ich, dass er den nächsten Schlag erwartete, bevor ich ihn gewählt hatte; bei zehn hatte seine Stimme den Klang, mit dem man einem Saal versichert, dass alles in Ordnung ist. Er war nicht bei mir. Er stand am Pult.
Das Apollinische hatte ihn nicht losgelassen, es hatte ihm ein Versteck gegeben. Der Rohrstock war ihm zu ordentlich, mein Zählen zu verständlich. Unter meiner Form konnte er genauso verschwinden wie unter seiner eigenen.
Nach dem zwölften Schlag griff ich nach dem Pendel und hielt es an, mitten im Ausschlag. Die Stille im Raum hatte plötzlich ein Gewicht.
Zweiter Satz: die andere Stimme
In diese Stille sprach Alexander zum ersten Mal. Er stand hinter J.; ich sah ihn, J. nicht. „Ab jetzt zählst du nicht.“
J.s Lippen bewegten sich trotzdem. „Ich höre dich zählen“, sagte Alexander, sehr ruhig, und die Lippen hielten still.
Was dann kam, hatte kein Metrum. Zwei Schläge kurz hintereinander, dann eine lange Leere, in der nur das Seil leise gegen das Polster rieb. Ein Wort von links, von mir; eines von rechts, von ihm; dann lange nichts. Alexander ging um ihn herum, und J. konnte nicht hören, wo er stand. Der Rausch war kein Lärm. Er war die Unmöglichkeit, vorauszuhören.
Gezählt wurde trotzdem. Ich zählte stumm jeden Schlag, und Alexander sah vor jedem zu mir. Er konnte wild sein, weil ich die Zahl hielt; ich konnte schweigen, weil er den Raum füllte. Zwei Stimmen, zwei Hände: Meine lagen um J.s gebundene Handgelenke, seine führte den Rohrstock.
Nach Alexanders siebtem Schlag kniete ich mich vor ihn. Finger warm, Farbe gut, das Seil saß, wo es sollte. „Wo bist du?“
„Ich weiß es nicht.“
„Gut. Brauchst du das Wort?“
„Nein.“
Beim zehnten zitterte der Taktstock. Ich sah die Finger nachgeben und hob die Hand; Alexander hielt mitten in der Bewegung inne. Ich fragte, ob J. aufhören wolle. Er schüttelte den Kopf und schloss die Finger fester, und erst dann nickte ich. Um diesen Augenblick geht es in solchen Stunden: nicht um den Schlag, sondern um die Sekunde davor, in der jemand frei entscheidet, dass er weitergeht.
Nach dem zwölften kam nichts mehr. Und in diesem Nichts brach er zusammen. Nicht so, wie ein Haus einstürzt. Eher wie ein Saal, der nach dem letzten Akkord merkt, dass er die ganze Zeit die Luft angehalten hat. Er weinte, laut und ohne sich zu schämen; seit Jahren, sagte er später, habe er nicht mehr geweint, nicht einmal bei Musik.
Ich löste den Knoten, nahm ihm den Taktstock aus der Hand, bevor er fallen konnte, und legte die Arme um ihn. Alexander trat zurück an die Wand. Ich hielt J., bis sein Atem wieder ruhig ging und sein Rücken sich unter meiner Hand nicht mehr hob wie bei jemandem, der gerannt ist.
Dann stand ich auf und hielt ihm den Taktstock hin. „Du kannst ihn auch liegen lassen. Dann sind wir fertig.“ Er nahm ihn. „Weiter“, sagte er, und es klang nicht nach Pult. Ich band ihm die Hände neu, so locker wie zuvor, prüfte Finger und Farbe, stellte das Metronom wieder auf sechzig und gab Alexander ein Zeichen. Ich machte keine Szene daraus. In dieser Ruhe lag kein Mitleid, und gerade darin lag der Respekt.
Den Rest schlugen wir zu zweit, sechs Schläge im Wechsel: einer von mir auf dem Schlag, einer von Alexander dazwischen. J. zählte nicht. Er hörte zu. Dreißig von sechsunddreißig vereinbarten; die übrigen sechs blieben ungeschlagen, und auch das gehörte zur Form.
Dionysos spricht die Sprache des Apollo
Für das Apollinische borgt Nietzsche sich ein Bild bei Schopenhauer: Auf einem tobenden Meer sitzt ein Schiffer ruhig in seinem Kahn und vertraut dem schwachen Fahrzeug, so wie der Einzelne mitten in einer Welt voller Qualen darauf vertraut, ein abgegrenztes Ich zu sein. J.s Kahn war der Takt. Mit ihm hatte er zwanzig Jahre lang jede Welle überstanden, auch die eigenen. Im ersten Satz hatte ich ihm nur ein besseres Boot gegeben. Im zweiten nahm Alexander es ihm weg – und er ging nicht unter, weil jemand anderes die Zahl hielt.
Für ihr Verhältnis in der Tragödie findet Nietzsche das Bild eines Bruderbunds: „Dionysus redet die Sprache des Apollo, Apollo aber schließlich die Sprache des Dionysus.“ In unserem Raum hieß das: Alexanders Wildheit lief in meiner Zählung, und meine Zählung ergab nur Sinn, weil seine Wildheit sie brauchte. Ohne Form wäre der Rausch bloß Lärm gewesen, ohne Rausch die Form bloß eine weitere Probe.
Macht, das habe ich an diesem Nachmittag wieder gesehen, liegt nicht beim Stock. Sie liegt bei der, die das Maß hält, und das Maß gilt nur, weil jemand ihm zugestimmt hat. Freiheit war für J. nicht, endlich ohne Takt zu sein. Freiheit war, den Takt jemandem zu überlassen, dem er traute, und dabei die ganze Zeit ein Wort zu kennen, das alles beendet. Er hat „Kiesel“ nicht gesagt. Der Taktstock ist nicht gefallen. Beides war da, und darum konnte er loslassen.
Danach saßen wir lange. Ich prüfte seine Handgelenke – ein paar rote Linien vom Seil, die bis zum Abend vergehen würden; was der Rohrstock hinterlassen hatte, würde unter keinem Frack jemand sehen. Ich gab ihm Wasser und eine Decke. Alexander verabschiedete sich mit einem Nicken; er hatte an diesem Nachmittag keine dreißig Sätze gesprochen. J. fragte: „Wer hat gezählt?“ – „Ich. Die ganze Zeit.“ Da lachte er, zum ersten Mal an diesem Tag, ohne es zu kontrollieren.
Zwei Wochen später kam eine Nachricht, eine Zeile: Gestern, dritter Akt, vor dem letzten Einsatz die Hände sinken lassen und gewartet. Länger, als es in der Partitur steht. Niemand hat gehustet.
Am selben Abend ging ich durch den Hofgarten. Vor dem Tambosi wurden die Stühle zusammengestellt, unter den Arkaden lagen die Fresken mit der Geschichte der Wittelsbacher im Halbdunkel. Im Dianatempel spielte wieder jemand Cello. Zwischen zwei Phrasen setzte er ab, und der ganze Garten – acht Wege, der Kies, die Bögen – hielt die Pause mit ihm. Ich bückte mich und hob einen Kiesel auf. Ich habe ihn noch. Ein Wort, das nie gesagt werden musste, wiegt wenig und hält lange.
Zwei Stimmen aus dem Gästebuch
Die beiden Einträge darunter wurden nicht für diese Seite geschrieben. Es sind echte Stimmen aus meinem Gästebuch: J. ist erfunden, ihre Verfasser sind es nicht, und mit den Figuren der Erzählung haben sie nichts zu tun. Ich stelle sie neben die Geschichte, weil sie in eigenen Worten von Verantwortung und von Tränen sprechen – ohne dass jemand etwas dazuerfinden musste.
„Ich habe vierzig Stunden in der Woche Verantwortung für sechzig Mitarbeiter. Wenn ich aus Alexas Raum gehe, habe ich diese Verantwortung wieder. Aber zwischen dem Gehen und dem Wiederankommen liegt etwas, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche. Sie hat mir gezeigt, dass mein System eine Pause kennt – wenn der richtige Mensch sie führt.“ — Marcus S., Unternehmer, 52, Gästebuch
„Ich bin in der vierten Session zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben weinend zusammengebrochen. Es war keine Krise. Es war eine Befreiung. Sie hat mich gehalten, bis ich wieder atmen konnte. Dann hat sie weitergemacht, als wäre nichts gewesen. Das war die Würde, die ich gebraucht hatte.“ — Henrik N., 44, Gästebuch
Weitere Einträge liest du im Gästebuch.
Mistress und Dominus in einer echten Session
Die Erzählung verdichtet, die Wirklichkeit nicht. Eine Duo-Session mit Dominus Alexander Blake gibt es bei mir als Stunde oder als Intensiv über drei Stunden, und zwar nur persönlich im Studio 60, nicht per Video. Zu meinem Stundenhonorar kommen für ihn 300 € je Stunde hinzu, zzgl. Raummiete Studio 60. Rohrstockerziehung und Fixierungen mit Seil oder Gurt sind im Honorar enthalten; Praktiken mit Aufpreis oder Mindestdauer sprechen wir vorher ab.
- Vorgespräch: Was du kennst, was du dir wünschst und was auf keinen Fall geschehen darf, legen wir vorher fest – schriftlich und noch einmal im Raum. Wie Alexander und ich die Rollen verteilen, entscheide ich nach deinem Wunsch und meinem Plan.
- Gesundheit: Schulter, Rücken, Kreislauf, Medikamente, Allergien – alles, was dein Körper unter Spannung anders macht, gehört vorher in dein Profil im Safe Room. Die Einverständnis- und Gesundheitserklärung bestätigst du mit jeder Anfrage.
- Safeword: Es gilt für uns beide. Sagst du es, endet jede Handlung sofort, gleich wer von uns sie gerade ausführt. Für Momente, in denen dir die Worte fehlen, vereinbaren wir zusätzlich ein Zeichen.
- Rohrstock: Er kommt erst nach dem Aufwärmen. Wohin er trifft und wie viele Schläge es höchstens werden, steht vorher fest; gezählt wird immer, auch wenn du es nicht hörst.
- Seil: Ich prüfe Finger, Farbe und Gefühl, der Hals bleibt frei, eine Schere liegt bereit, und solange du gebunden bist, bleibt einer von uns bei dir.
Kein Geschlechts-, kein Oralverkehr – das gilt für mich wie für Alexander Blake. Für wen sich das Duo eignet, erkläre ich unter Domina und Dominus; mehr zum Stock steht unter Rohrstock und Spanking, zu Grenzen und Abbruch unter Tabus, Grenzen und Sicherheit.
Durch München ins Studio 60: Anreise und Planung
Für Gäste aus der Stadt ist der Weg kurz, die Planung deshalb nicht beiläufig. Vom Odeonsplatz, an dem diese Erzählung beginnt, fährt die U3 ohne Umsteigen nach Moosach, rund zwanzig Minuten; vom Hauptbahnhof bringt dich die S1 dorthin. Den letzten Fußweg planst du, sobald du die Adresse hast; sie kommt nach Bestätigung und Anzahlung, bis dahin genügt der Stadtteil.
- Erst Termin, dann Zimmer: Im Kalender Art, Tag und Uhrzeit wählen, dann das Zimmer im Studio 60 genau für diese Zeit buchen und bezahlen, dann die Anfrage absenden und den Screenshot nachreichen. Für ein Duo setzt du vorher das Häkchen beim Dominus.
- Pünktlich: Wege in der eigenen Stadt unterschätzt man gern. Plane eine halbe Stunde Puffer ein; eine Verspätung verlängert die Session nicht, und wer 30 Minuten zu spät kommt, ohne Bescheid zu geben, gilt als nicht erschienen.
- Nüchtern: Kein Feierabendbier, kein Abstecher auf die Wiesn, kein Glas zur Beruhigung vorher. Wer getrunken hat, wird nicht empfangen.
- Diskret: In der eigenen Stadt wiegt Diskretion doppelt, und sie gilt auf beiden Seiten. Dein Telefon schaltest du vor Beginn aus; Fotos, Videos oder Tonaufnahmen gibt es nur, wenn wir sie vorher vereinbart haben.
Nach der Session lass dir Zeit. Wer mag, steigt auf dem Rückweg am Odeonsplatz aus und geht einmal durch den Hofgarten, bevor der Alltag wieder anfängt.