Aus London zur Session: Flug nach München oder Video
Persönlich treffe ich Gäste nur in München, im Studio 60; eine Session in London gibt es derzeit weder für eine Stunde noch für einen Abend. Für jemanden aus London ist das vor allem eine Frage des Flugs, nicht des Ablaufs:
- Im Kalender legst du die Art fest – eine Stunde, Intensiv über drei Stunden oder Remote mit 45 Minuten – und wählst Tag und Uhrzeit, jeweils Münchner Zeit.
- Ein Klick öffnet WhatsApp oder Telegram mit einer Nachricht, in der Preis und Referenz schon stehen. Zugesagt ist der Termin erst, wenn ich ihn selbst bestätige.
- Mit 50 € Anzahlung hältst du ihn fest; sie wird verrechnet. Das Zimmer im Studio 60 reservierst und bezahlst du direkt beim Studio, den Rest meines Honorars bekomme ich bar, wenn wir beginnen.
Ich spreche Deutsch und Englisch; wer mir auf Englisch schreibt, bekommt die Antwort auf Englisch. Wer ohne Reise beginnen möchte, wählt die Remote-Session: 45 Minuten per Video, ab 180 €, und gerade Demütigung, die mit Worten arbeitet, trägt über die Kamera weit. Was ich darunter verstehe, steht unter Demütigung und Verbalerotik; was eine Stunde in München kostet, unter Preise.
London bei Nacht: Soho, Vauxhall und der Torture Garden
Wer in London ausgeht, beginnt oft in Soho, dem Viertel zwischen Oxford Street, Regent Street, Charing Cross Road und Shaftesbury Avenue. Die Old Compton Street ist seit Jahrzehnten die Mitte des schwulen und queeren London, gesäumt von Bars und Cafés. Ein paar Straßen weiter spielt Ronnie Scott's Jazz, 1959 in der Gerrard Street gegründet und seit 1965 in der Frith Street. Unter den Bögen des Bahnhofs Charing Cross, wenige Minuten von der National Portrait Gallery, liegt Heaven, im Dezember 1979 eröffnet und einer der ersten Clubs weltweit, die sich offen als schwul verstanden.
Südlich der Themse hat sich Vauxhall seit den Neunzigerjahren zur zweiten Adresse entwickelt; in der Szene heißt das Viertel oft „Voho“, aus Vauxhall und Soho. Viele Clubs liegen dort in den Eisenbahnbögen unter der Strecke nach Waterloo, darunter Fire an der Parry Street. Die Royal Vauxhall Tavern, gebaut 1860 bis 1862 auf Land der früheren Vauxhall Pleasure Gardens, gilt als ältester erhaltener queerer Ort Südlondons und ist für Drag und Kabarett bekannt. Im September 2015 kam sie als erstes Gebäude im Vereinigten Königreich wegen ihrer Bedeutung für die LGBTQ-Geschichte unter Denkmalschutz.
Für Fetisch steht seit 1990 der Torture Garden, der sich selbst als größten Fetischclub der Welt bezeichnet. Er lädt in London an wechselnde Orte ein, etwa ins Scala in King's Cross, ins Electrowerkz in Islington oder ins Fire nach Vauxhall. Der Dresscode ist streng: verlangt wird ein durchdachter Look von Kopf bis Fuß, Jeans, gewöhnliche Anzüge und Baumwollshirts bleiben draußen, und wer nur zum Gaffen kommen will, ist dort nach eigenen Worten des Clubs falsch.
Professionelle Dominas und eingerichtete Studios gibt es in London viele, und die Szene ist so international wie die Stadt. Namen nenne ich keine, und ich verlinke niemanden. Diese Seite richtet sich an die, die für eine Begegnung mit mir nach München fliegen oder mich vor der Kamera treffen.
Fünfundvierzig Frauen ohne Namen
Ich war im November privat in London, und an einem Nachmittag regnete es so gleichmäßig über dem Trafalgar Square, dass sich die Touristen unter dem Säulenportikus von St Martin-in-the-Fields drängten. Die National Portrait Gallery liegt gleich um die Ecke, am St Martin's Place, Seite an Seite mit der National Gallery. Seit sie im Juni 2023 nach drei Jahren Umbau wieder geöffnet hat, hat sie an der Nordseite einen neuen Eingang: drei Bronzetüren, jede vier Meter hoch. Tracey Emin hat für sie fünfundvierzig Frauengesichter gezeichnet, und keine dieser Frauen trägt einen Namen. Die steinernen Rundbilder an der alten Fassade dagegen zeigen ausschließlich Männer, Maler und Schriftsteller vergangener Jahrhunderte. Ein Haus, das seit 1856 die Gesichter der Bekannten einer Nation sammelt, lässt einen zuerst an den Ungenannten vorbeigehen. Das gefiel mir.
Ich stieg hinauf zu den frühesten Bildern der Sammlung, den Gesichtern der Tudor- und Stuartzeit. Dort stand ein Mann vor einem kleinen, dunklen Bildnis mit einem Ring im Ohr. Es ist das Chandos-Porträt, das erste Bild, das die Galerie im Jahr ihrer Gründung bekam, und bis heute weiß niemand mit Sicherheit, ob es wirklich Shakespeare zeigt. Er stand so nah davor, wie die Aufsicht es duldete, und murmelte Wörter wie Zuschreibung, Provenienz, Werkstatt.
„Ohne den Namen“, sagte er, als er bemerkte, dass ich neben ihm stand, „wäre das ein ordentliches Bildnis eines unbekannten Herrn. Mit dem Namen ist es unbezahlbar.“ Er sprach das sorgfältige Englisch der Auktionssäle, in dem jede Silbe einen Preis hat.
„Und ohne deinen Namen?“, fragte ich.
Im Englischen hört man kein Du. Er hörte es trotzdem. Er drehte sich um und musterte mich wie eben das Bild: Rahmen, Zustand, Herkunft. Er handelte mit alten Meistern, erfuhr ich, in einer Galerie in St James's, ein paar Minuten zu Fuß entfernt, und bewertete seit dreißig Jahren Bilder. Dass ihn selbst nie jemand zu bewerten gewagt hatte, sah man ihm an.
Er zitierte Wilde, wie Männer seines Fachs Wilde zitieren, sobald sie sich bedrängt fühlen: Jedes Porträt, das mit Gefühl gemalt wird, sei ein Porträt des Künstlers, nicht des Modells. So sagt es der Maler Basil Hallward im ersten Kapitel des „Dorian Gray“. „Basil sagt das, weil er fürchtet, sich im Bild zu verraten“, antwortete ich. „Und Dorian sperrt sein Bildnis weg, damit niemand sieht, was aus ihm wird. In diesem Roman will keiner angesehen werden. Alle wollen nur schauen.“
Er fragte, was ich beruflich mache, und ich sagte es ihm: Domina, in München. Er lachte nicht, das rechnete ich ihm an. Stattdessen begann er, mich einzuschätzen, laut und mit Kennerworten, als stünde ich auf einer Staffelei. „Du taxierst schon wieder“, sagte ich. „Ich muss nicht geschätzt werden, um zu wissen, was ich bin.“ Danach schwieg er.
Draußen hatte der Regen aufgehört. Wir gingen die paar Schritte hinüber auf den Platz, wo Landseers Löwen nass am Fuß der Nelsonsäule glänzten, und er hielt mir eine Karte mit vergoldetem Rand hin. Ich nahm sie nicht. „Wenn du gesehen werden willst, findest du mich“, sagte ich. „Wenn du nur schätzen willst, such dir ein anderes Bild.“
Zustandsbericht
Elf Tage lang hörte ich nichts. Dann kam an einem Sonntagabend eine E-Mail ohne Anrede, und sie war ein Katalogeintrag: „Los 1. Mann, vierundfünfzig Jahre, Kunsthändler. Für das Alter guter Zustand. Geringfügige Retuschen. Provenienz einwandfrei.“ Darunter ein Initial, ein H. Es war witzig, und es war eine Mauer. Ich schrieb zurück, dass ein Katalog verschweigt, was den Preis drückt, und dass mich nur das interessiert.
Das Vorgespräch führten wir per Video, auf Englisch, an zwei Abenden. Demütigung, die trifft, braucht vorher eine Karte der Stellen, die unberührt bleiben. Seine Liste war kurz: nichts über seine geschiedene Ehe, nichts über seinen Vater, nichts über sein Gewicht. Freigegeben hatte er seine Eitelkeit, seinen Hochmut, die Gewohnheit, jedem Ding einen Preis anzuheften, und sein berühmtes Auge. Bei „Herkunft“ zögerte er lange und schrieb dann dazu: „Mein Akzent. Falls Sie ihn finden.“ Er war in Yorkshire aufgewachsen und hatte sich die Vokale seiner Herkunft über Jahrzehnte abgewöhnt.
Dann die Gesundheit. Seit zwei Jahren trug er ein künstliches Kniegelenk links; knien durfte er nur auf einem Kissen und nie länger als zehn Minuten am Stück. Als Safeword wählte er „Varnish“, Firnis, die Schicht, die ein Gemälde schützt und mit den Jahren vergilbt, bis ein Restaurator sie abnimmt. Dazu verabredeten wir ein Zeichen ohne Worte, die flache Hand, falls ihm die Sprache wegbleibt. Ich sagte ihm, was ich jedem sage: Das Wort beendet alles, sofort, ohne Erklärung, und niemand ist danach enttäuscht.
Die ersten Wochen gehörten der Kamera. Sonntags um einundzwanzig Uhr in München, zwanzig Uhr in London, fünfundvierzig Minuten. Er stand, das Jackett über der Stuhllehne, und las mir einen Zustandsbericht vor, den er über sich selbst geschrieben hatte, so wie Restauratoren ihn über ein Bild verfassen: Craquelé, Fehlstellen, Übermalungen, vergilbter Firnis. Ich unterbrach ihn dort, wo er schönte. „Du hast ‚leichte Eitelkeit‘ geschrieben. Streich ‚leicht‘. Lies es noch einmal.“ Er las es noch einmal, und noch einmal, bis der Satz nicht mehr nach Katalog klang. Am Ende jedes Abends fragte ich nach ihm, nicht nach dem Bericht. Meistens antwortete er mit einem Wort: „Still.“
Nach der fünften Sitzung schrieb er, er wolle aufhören. Es sei zu nah, er ertrage es nicht, beschrieben zu werden, nicht einmal von sich selbst. Ich habe ihn nicht umgestimmt. Ich schrieb ihm, dass er gehen darf, wann immer er es braucht, und dass ihn das nichts kostet. Dann war es still. Sechsundzwanzig Tage später kam eine Zeile: „Los 1, erneut eingeliefert.“ Ich nahm ihn wieder auf, und über die Pause haben wir nie gesprochen. Bald darauf fragte er, ob er mich sehen dürfe. Ich nannte ihm München, das Studio 60 und die Bedingung, das Zimmer selbst zu buchen und mir die Bestätigung zu schicken, bevor ich eine Uhrzeit zusage.
Der Handspiegel
Er flog am Vorabend von Heathrow und übernachtete in München, damit kein verspäteter Flug unsere Zeit kürzen konnte. Um sechzehn Uhr stand er vor der Tür, auf die Minute, nüchtern, und sagte ungefragt, er habe an Bord nur Wasser getrunken. Unter dem Arm trug er, was ich ihm aufgetragen hatte: das Foto von der Website seiner Galerie, gedruckt und gerahmt. Gutes Licht von links, der Anflug eines Lächelns, ein Einstecktuch.
Wir gingen noch einmal durch, was verabredet war: die Liste, das Knie, das Wort. Dann nahm ich ihm Jackett und Krawatte ab, die Uniform seines Berufs, und hängte beides an den Haken neben der Tür, wo er es sehen konnte. Das gerahmte Foto lehnte ich auf einem Stuhl gegen die Wand, auf Augenhöhe. Aus meiner Tasche nahm ich einen ovalen Handspiegel mit silbernem Rücken, alt, mit einer kleinen blinden Stelle am Rand.
„Beschreib mir den Mann auf dem Foto“, sagte ich. Das konnte er. Er sprach drei Minuten lang, flüssig und glänzend, über Haltung, Licht und die Gelassenheit des Blicks; er hätte das Bild in jeder Abendauktion untergebracht. Dann hielt ich ihm den Spiegel vor das Gesicht. „Jetzt den hier.“
Für den ersten Satz brauchte er lange, und was kam, war wieder Katalog: Mann, Mitte fünfzig, ermüdet. Das ließ ich nicht gelten. „Du beschreibst ihn, als wolltest du ihn loswerden. Sag, was du siehst.“ Er sah einen Mann, der darauf wartet, dass ihm jemand sagt, was er wert ist. Ich ließ ihn den Satz dreimal wiederholen, jedes Mal langsamer.
Dann sprach ich. Ruhig, beinahe sachlich, und nur auf den Feldern, die er freigegeben hatte. Über sein Auge, das nie schaut, sondern immer misst. Über die Eitelkeit, die er für Geschmack hält. Über einen Mann, der jedes Gesicht in London taxiert und sein eigenes nur auf Fotos erträgt, die er selbst ausgesucht hat. Ich ließ ihn auf dem Kissen knien und versteigerte ihn an einen leeren Raum. „Los 1. Wer bietet?“ Ich wartete. Die Stille im Zimmer war lauter als jeder Saal. „Niemand. Das Los bleibt unverkauft.“ Er zuckte zusammen, als hätte ich ihn geschlagen, und ich hatte ihn nicht einmal berührt.
Nach acht Minuten, bevor die verabredete Grenze erreicht war, ließ ich ihn aufstehen, wegen des Knies, und fragte nach beidem, dem Gelenk und ihm. „Beides hält“, sagte er. Ich erinnerte ihn an „Varnish“. Er nickte und sagte es nicht.
Dann tat ich, womit er nicht gerechnet hatte. Ich drehte den Rahmen auf dem Stuhl mit dem Bild zur Wand und legte den Spiegel mit dem Glas nach unten auf den Tisch. Nun gab es im Zimmer nichts mehr, das ihn zurückwarf, außer meinem Blick. Ich sah ihn an und schwieg. Eine Minute, zwei, vier. Er versuchte es mit einem Scherz, und ich verbot ihm zu sprechen, bis auf das eine Wort, das in jeder Stunde gilt. Er versuchte, auf den Boden zu sehen, und ich verbot ihm auch das. Seine Hände wussten nicht, wohin. Irgendwann, ich hatte längst nicht mehr auf die Uhr gesehen, sagte er etwas, ohne gefragt zu sein, und er sagte es mit den Vokalen, die er in St James's abgelegt hatte: „Ich hab Angst, dass da drunter nix ist.“
„Unter dem Firnis ist immer etwas“, sagte ich. „Man muss nur aushalten, dass jemand hinsieht.“ Dann sah ich ihn weiter an, bis er meinen Blick hielt und nicht mehr auswich. Das war die Stunde. Alles davor war Grundierung gewesen.
Das verschlossene Zimmer
Wilde hat den Roman zuerst in der Juliausgabe 1890 einer amerikanischen Monatszeitschrift veröffentlicht, in Lippincott's Monthly Magazine; die Buchfassung folgte 1891, erweitert und mit einer Vorrede aus lauter Aphorismen. Die Geschichte ist bekannt: Ein junger Mann bleibt schön, und sein Bildnis altert an seiner Stelle. Jede Grausamkeit, jede Lüge zeichnet sich auf der Leinwand ab, nicht in seinem Gesicht. Dorian schließt das Bild in ein Zimmer im obersten Stock seines Hauses und trägt den Schlüssel bei sich.
Man liest das gern als Roman über Schuld. Ich lese es als Roman über das Verstecken. Dorians Unglück ist nicht, dass er schuldig wird, sondern dass niemand je sein wirkliches Gesicht sehen darf und zwischen ihm und dem Bild ein Schloss hängt. Als er am Ende mit dem Messer auf die Leinwand losgeht, finden die Diener einen Toten am Boden, welk und runzlig, den sie erst an seinen Ringen erkennen, und das Bildnis zeigt wieder den makellosen jungen Mann. Wer sich nie zeigt, wird zuletzt von dem eingeholt, was er verborgen hat.
Einvernehmliche Demütigung kehrt diese Geschichte um. Wir holen das Bild aus dem verschlossenen Zimmer, stellen es ins Licht, und der Mann bleibt im Raum, während jemand hinsieht. In der Vorrede schreibt Wilde: „Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche geht, tut es auf eigene Gefahr.“ Im Studio teilen wir diese Gefahr. Sie hat Grenzen, die der Gast selbst gezogen hat, und ein Wort, mit dem er jederzeit wieder auftauchen kann.
Macht liegt in solchen Stunden nicht bei dem, der spricht, sondern bei dem, der schaut. H. hatte sein Leben auf der Seite des Schauens verbracht, als einer, der taxiert und den Preis nennt. Sartre beschreibt in „Das Sein und das Nichts“, wie mich der Blick des Anderen zum Gegenstand macht: Ich schäme mich, und meine Möglichkeiten gehören für einen Augenblick nicht mehr mir. Für H. war derselbe Blick, gewählt, begrenzt und mit einem Ausweg versehen, etwas anderes: die Erlaubnis, nicht länger sein eigener Kurator zu sein.
Noch ein Satz aus der Vorrede kam mir an jenem Nachmittag in den Sinn: „Es ist der Betrachter und nicht das Leben, den die Kunst in Wahrheit spiegelt.“ Mein Spiegel hat H. nichts gezeigt, was er nicht kannte. Er hat ihm gezeigt, wie er schaut. Lord Henry, der Verführer des Romans, behauptet, schlimmer als das Gerede der Leute sei nur, dass nicht über einen geredet wird. H. hatte sein Leben lang gefürchtet, unverkauft zu bleiben, unbesprochen, ungeschätzt. In der Stunde in München blieb er unverkauft und war trotzdem da. Freiheit hieß für ihn nicht nur, dass er das Spiel jederzeit verlassen konnte. Sie hieß, dass er es einmal verlassen hatte und aus freien Stücken zurückgekommen war.
Zwischen den Löwen
Nach der Stunde gab ich ihm Wasser und ließ ihn sitzen, eine Decke über den Knien, bis seine Hände wieder ruhig lagen. Wir sprachen wenig. Er fragte, ob er das Foto mitnehmen solle. Ich sagte, er solle es mir lassen, so wie es stand, mit dem Gesicht zur Wand. Als er das Jackett wieder anzog, sah ich, dass es ihm nicht mehr ganz passte, obwohl es dasselbe war. Am nächsten Morgen flog er zurück nach London.
Gut einen Monat später kam eine Nachricht, diesmal kein Katalogeintrag, nur ein paar Sätze. Er sei wieder in der National Portrait Gallery gewesen, nicht bei den frühen Bildern, nicht vor dem Mann mit dem Ring im Ohr. Er habe unten vor Tracey Emins Türen gestanden und die fünfundvierzig Frauen gezählt, die niemand bewertet hat und die trotzdem da sind. Dann sei er hinüber auf den Platz gegangen und habe sich zwischen die Löwen gesetzt, eine Stunde lang, mitten unter Fremden, ohne Zeitung und ohne Telefon. Die Leute hätten ihn angesehen, wie man in London jemanden ansieht, flüchtig und ohne Urteil, und er habe nicht zurückgeschätzt.
Ein Sammler habe ihn in der Woche darauf gefragt, im Scherz und über ein Glas hinweg, was wohl sein eigenes Porträt wert sei. Er habe geantwortet, es sei nicht im Handel. Es stehe in München und schaue die Wand an.
Ich habe ihm nicht geantwortet. Manche Nachrichten brauchen keine Antwort, nur jemanden, der sie liest. Das Foto liegt noch bei mir, die Bildseite nach unten, und ich habe es nie wieder umgedreht. Wer wissen will, wie H. aussieht, muss ihn ansehen.
Zwei Stimmen aus dem Gästebuch
Was jetzt folgt, ist nicht erfunden. Beide Einträge stehen so in meinem Gästebuch, geschrieben von echten Gästen, die mit dem Kunsthändler aus St James's nichts zu tun haben: Er ist eine Figur, sie sind es nicht. Den ersten Eintrag gebe ich gekürzt wieder.
„Ich bin älter als die meisten Männer, die zu Mistress Alexa kommen. Ich war in meinem Leben mit drei Mistresses verbunden, alle gut, alle anders. Was Alexa hat, ist eine Ruhe in ihrer Praxis, die ich vorher nicht erlebt habe. Sie weiß, wer sie ist. […]“ — Klaus T., 63, Gästebuch
„Nach sechs Wochen wollte ich aussteigen. Es war zu viel. Sie hat mich nicht überredet zu bleiben. Sie hat mir gesagt, dass ich gehen kann, wenn ich es brauche. Ich bin gegangen. Drei Wochen später kam ich zurück. Sie nahm mich auf, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Das war Lektion genug.“ — Sklave M., Gästebuch
Wer die Erzählung gelesen hat, hört in beiden Stimmen einen Nachklang: eine Ruhe, die sich nicht schätzen lassen muss, und das Recht zu gehen, ohne dass sich die Tür dahinter schließt.
Verbale Demütigung in einer echten Session
Die Erzählung verdichtet. Eine echte Session mit verbaler Demütigung ist langsamer vorbereitet und genauer verabredet, als eine Geschichte es zeigen kann. Demütigung, Verbalerotik und ASMR sind bei mir im Stundenpreis enthalten; Psychofolter, die mit Ungewissheit und langem Warten arbeitet, beginne ich nicht unter 120 Minuten. Das Honorar beträgt 250 € je Stunde, für Stunden ab 20 Uhr 300 €, zzgl. Raummiete Studio 60.
Vor der ersten Stunde klären wir:
- Tabu-Themen. Familie, Körper, Beruf, Herkunft, Beziehung: Was du ausschließt, kommt nicht vor, auch nicht als Andeutung. Was du freigibst, darf ich verwenden, und nur das.
- Requisiten. Ein Foto, ein Spiegel, die Kleidung deines Berufs – ob wir mit so etwas arbeiten, verabreden wir vorher. Welche Ausstattung ein Zimmer im Studio 60 hat, steht beim Studio, nicht bei mir.
- Safeword. Es beendet jede Handlung sofort, auch mitten in einem Satz; dazu kommt ein Zeichen ohne Worte. Zwischendurch frage ich nach, wo du gerade bist.
- Gesundheit. Knie, Rücken, Kreislauf und Medikamente gehören ins Vorgespräch oder in dein Profil im Safe Room, vor allem wenn du knien sollst.
- Danach. Am Ende bleibt Zeit, um wieder bei dir anzukommen. Was im Raum gesagt wurde, bleibt dort; Aufnahmen gibt es nur mit vorheriger Zustimmung.
Demütigung zielt bei mir auf die Rolle, die du in der Session einnimmst, nie auf den Menschen, der danach wieder hinausgeht. Kein Geschlechts-, kein Oralverkehr. Mehr unter Demütigung und Verbalerotik und Tabus, Grenzen und Sicherheit; warum der Kopf der eigentliche Schauplatz ist, im Essay Mentale Dominanz.
Von London ins Studio 60: Flug, Zeitverschiebung, Planung
Von London nach München ist man knapp zwei Stunden in der Luft, direkt zum Beispiel ab Heathrow. Dazu kommt die Zeitverschiebung: München ist London stets eine Stunde voraus. Der Münchner Flughafen liegt knapp 30 Kilometer nordöstlich der Stadt; die S-Bahn-Linien S1 und S8 fahren in rund 45 Minuten ins Zentrum. Auf der Schiene geht es mit dem Eurostar bis Paris oder Brüssel und von dort weiter nach München, dann allerdings über den größten Teil eines Tages. Die Adresse des Studios bekommst du mit der Bestätigung.
Was ich Gästen aus London rate:
- Am Vortag fliegen. Ein verspäteter Rückflug ist ärgerlich, ein verspäteter Hinflug kostet die Session: Verspätung verlängert sie nicht, und wer ohne Nachricht 30 Minuten oder mehr zu spät kommt, gilt als nicht erschienen. Wer in München übernachtet, fährt entspannt vom Hotel ins Studio.
- Erst den Termin, dann den Flug. Frag rechtzeitig an und buche die Reise erst nach meiner Bestätigung, besonders für das dreistündige Intensiv-Format.
- Nüchtern ankommen. Der Drink in der Lounge und an Bord fällt aus; wer getrunken hat, wird nicht empfangen.
- Zimmer und Screenshot. Das Zimmer im Studio 60 buchst und bezahlst du selbst und schickst mir die Bestätigung als Screenshot.
- Euro dabeihaben. Den Rest des Honorars zahlst du zu Beginn bar, in Euro; heb vorher ab oder tausche.
- Diskretion. Sie gilt auf beiden Seiten, in London wie in München.
Eine eigene Erzählung für Gäste aus der Schweiz steht unter Domina Zürich, eine für das Rheinland unter Domina Düsseldorf.