Domina Düsseldorf: warum der Weg nach München führt
Wer nach einer Domina in Düsseldorf sucht und hier landet, findet keine Tür am Rhein, sondern eine Verabredung in München. Ich empfange ausschließlich im Studio 60 und per Video. Gerade die Strecke kann ein Vorteil sein: Zwischen dem Leben, das du in Düsseldorf führst, und dem Raum, in dem du es für ein paar Stunden ablegst, liegen knapp fünf Stunden Zug und mehrere Bundesländer.
So kommt ein Termin von Düsseldorf aus zustande:
- Unter Termin wählen legst du fest, was es sein soll – eine Stunde, Intensiv mit drei Stunden oder Remote mit 45 Minuten –, dazu Tag und Uhrzeit.
- Ein Klick öffnet WhatsApp oder Telegram mit einer vorformulierten Nachricht, in der Preis und Referenz schon stehen. Bindend ist erst meine persönliche Bestätigung.
- Mit 50 € Anzahlung sicherst du ihn; sie wird angerechnet, den Rest gibst du mir zu Beginn bar. Dein Zimmer im Studio 60 buchst und bezahlst du direkt beim Studio und schickst mir die Bestätigung als Screenshot.
Eine Stunde kostet bei mir 250 €, Stunden mit Beginn ab 20 Uhr 300 €, jeweils zzgl. Raummiete Studio 60; alles Weitere steht unter Preise. Wer Düsseldorf nicht verlassen will, findet mich in der Remote-Session: 45 Minuten per Video, weltweit, ab 180 €. Ich spreche und schreibe Deutsch und Englisch.
Die Erzählung weiter unten handelt von Feminisierung: von Strümpfen, einem Korsett, einem Lippenstift und einem Spiegel, der lange verhängt bleibt. Wer lieber in einer anderen Stadt beginnt, liest die Erzählungen aus Hannover und London.
Düsseldorf bei Nacht: Altstadt, Grabbeplatz, Medienhafen
Düsseldorf trinkt Altbier und nennt seine Altstadt gern die „längste Theke der Welt“: Auf rund einem halben Quadratkilometer drängen sich etwa 260 Kneipen, Brauhäuser, Bars und Clubs, dicht an dicht rund um die Bolkerstraße. Wer das Bier dort trinken will, wo es gebraut wird, geht ins Uerige oder ins Füchschen an der Ratinger Straße, das Joseph Beuys zu seinen einstigen Stammgästen zählt; außerhalb der Altstadt braut Schumacher in seinem Stammhaus an der Oststraße, nach eigener Zählung seit 1838. An Sommerabenden rückt die Nacht an den Fluss, in die Lokale der Kasematten unterhalb des Burgplatzes, direkt an der Rheinuferpromenade.
Leiser und eigenwilliger ist der Salon des Amateurs am Grabbeplatz, seit gut zwanzig Jahren im Haus der Kunsthalle: unabhängiges Café, Bar und Veranstaltungsort, freitags und samstags ab 22 Uhr mit DJs und Live-Musik, die nicht auf die Tanzfläche schielt. Im Medienhafen stehen Frank Gehrys schief gestaffelte Häuser des Neuen Zollhofs, dazwischen Restaurants, Lounges und Clubs. Gleich daneben dreht sich in gut 170 Metern Höhe das Restaurant des Rheinturms langsam um die Turmachse, während die Lichtpunkte am Schaft als Uhr die Zeit bis auf die Sekunde anzeigen. Anfang Juni gehört die Stadt dem CSD Düsseldorf, 2026 vier Tage lang vom 4. bis 7. Juni, und Köln mit seiner eigenen, großen Szene liegt nur eine halbe Zugstunde rheinaufwärts.
Fetisch- und BDSM-Abende finden im Rheinland in wechselnden Reihen statt, in Düsseldorf ebenso wie in Köln; sie werben zurückhaltend und sind am ehesten über Szene-Kalender und Stammtische zu finden. Auch professionelle Domina-Studios gibt es in Düsseldorf und im Umland; sie stellen sich über eigene Websites vor. Namen nenne ich hier nicht. Wer ein Domina-Studio in Düsseldorf sucht, wird dort fündig; wer den Abstand zwischen Alltag und Session bewusst sucht, setzt sich in den Zug nach München.
Halsbandsittiche über dem Kö-Graben
Diese Geschichte ist frei erfunden – F. hat es nie gegeben, seine Session ebenso wenig. Wirklich sind die Königsallee, ihr Graben, ihre Bäume und ihre Geschichte.
Kurz vor Sonnenuntergang kommen die Halsbandsittiche. Erst ein paar, dann ganze Schwärme, grün wie unreife Äpfel, und sie fallen mit einem Lärm in die Platanen am Kö-Graben ein, als hätte man ihnen die Stadt überschrieben. Rund anderthalbtausend hat man hier einmal geschätzt. Ich war für ein Wochenende in Düsseldorf, nicht zum Arbeiten, sondern wegen einer Ausstellung. An einem Abend Ende September saß ich auf einer Bank an der Westseite der Königsallee, die man in Düsseldorf die stille Seite nennt, weil dort Banken stehen und kaum Schaufenster, und sah hinüber auf die andere Seite, wo das Licht der Auslagen ins Wasser fiel.
Der Graben ist älter als der Name der Straße. Man legte ihn zwischen 1802 und 1804 an, wo vorher die Festungswerke lagen, gut dreißig Meter breit, fast einen Kilometer lang, und sein Wasser kommt aus der Düssel, nicht aus dem Rhein. Am Nordende hält seit 1902 der Triton von Fritz Coubillier die Stellung, am Südende steht im Blumengarten eine Kugelspielerin, 1897 in Bronze gegossen, und wiederholt seither dieselbe Bewegung. Dazwischen spannt sich die Girardetbrücke über das Wasser, Eisenbeton aus den Jahren 1906 und 1907.
Auf meinem Schoß lag Beauvoirs Das andere Geschlecht, aufgeschlagen und ungelesen. Ich las lieber den Mann gegenüber. Er stand vor einer Auslage, in der eine Dekorateurin einer Puppe die Bluse zurechtzog. Er sah nicht auf die Bluse, sondern auf ihre Hände, und einen Atemzug lang auf sein eigenes Spiegelbild in der Scheibe, das über der Puppe lag wie eine zweite Figur. Dann wandte er sich ab, schnell, wie jemand, der bei etwas ertappt wird, das er nicht getan hat, ging über die Brücke und blieb am Geländer stehen, drei Meter von meiner Bank entfernt.
„Die Bluse fällt nicht“, sagte ich.
„Die Schulter ist zu breit geschnitten. Eine Nummer kleiner, und es würde stimmen.“ Er antwortete, ohne nachzudenken, erst dann sah er mich an. Ende vierzig, dunkler Anzug, so genau sitzend, dass er nach Arbeit aussah. Er sei Einkäufer für Damenmode, sagte er, für ein Haus hier an der Kö. Er fahre nach Paris und Mailand und entscheide, was Frauen in Düsseldorf im nächsten Herbst tragen würden. Sein Blick fiel auf den Umschlag meines Buchs. „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“, zitierte er mit einem kleinen Lächeln. „Ich helfe dabei ein bisschen nach. Saisonweise.“
„Und wer hilft bei Ihnen nach?“
Die Sittiche schrien. Er sagte nichts.
„Wissen Sie, wie diese Straße früher hieß?“, fragte ich. „Kastanienallee. 1848 soll hier jemand den König mit Pferdeäpfeln beworfen haben – wie genau, weiß heute niemand mehr –, und 1851 gab die Stadt der Allee seinen Titel, gewissermaßen als Entschuldigung. Eine Straße, die umbenannt wurde, damit sie einem anderen gefällt.“
„Keinen Kilometer von hier ist Heine geboren“, sagte er. „In der Bolkerstraße. Als Harry. Gestorben ist er als Heinrich.“
„Dann wissen Sie ja, dass Namen sich ändern lassen.“
Er fragte, was ich beruflich mache, und ich sagte es ihm: Domina, in München. Er lachte nicht. Er sah über das Wasser zu dem Schaufenster, in dem die Puppe jetzt tadellos angezogen war.
„Und was tun Sie mit Männern wie mir?“
„Männer wie Sie gibt es nicht. Es gibt nur Männer, die in Schaufenster sehen, damit sie in keinen Spiegel sehen müssen.“ Ich klappte das Buch zu und stand auf. „Mein Kalender steht auf meiner Seite. Schreiben Sie mir, wenn Sie sagen können, was Sie wollen, ohne das Wort vielleicht.“
Maße, ein Lippenstift und das Wort Kastanie
Elf Tage später kam die Anfrage, auf dem Weg, den ich für alle vorsehe: im Kalender ein Samstag, das Intensiv-Format, drei Stunden ab 14 Uhr, dazu die vorbereitete Nachricht mit Preis und Referenz. Darunter stand eine zweite Nachricht, so sachlich wie ein Bestellschein. Konfektionsgröße, Taillenumfang, Strumpflänge, Unverträglichkeiten. Und ganz unten ein Satz, der in keinen Bestellschein gehört: „Ich möchte wissen, wie es ist, nicht derjenige zu sein, der aussucht.“
Ich schrieb zurück: „Ab jetzt duze ich dich. Du bleibst beim Sie.“
Dann fragte ich, und er antwortete. Sein Rücken sei nach zwanzig Jahren auf Messeböden und in Showrooms nicht mehr der jüngste, die Knie hielten. Parfümierte Kosmetik vertrage seine Haut nicht, er bringe eigene mit. Keine Medikamente, nichts am Herzen, keine weiteren Allergien. Ich fragte, welches Wort ihn treffen dürfe und welches nicht. Er brauchte einen Tag für die Antwort, und sie bestand aus nur einem Wort: „Lächerlich.“
„Spott über deinen Körper gibt es bei mir nicht“, schrieb ich. „Strenge gibt es. Das ist nicht dasselbe, und du wirst den Unterschied spüren.“
Dann gestand er, dass er seit sechs Jahren ein Korsett besitze, nach Maß gefertigt, nie getragen, das Etikett noch daran, in einem Karton ganz oben im Schrank. Ich sagte ihm, er solle es mitbringen, dazu Strümpfe, einen Rock und eine Bluse, aber nichts, was er als Einkäufer ausgesucht habe. Nur Dinge, die er für sich gekauft habe, als Träger und nicht als Prüfer. Das Korsett würde ich nur so weit schnüren, dass er frei atmet und zwei Finger unter die Kante passen, und ich würde nachfassen, solange er es trägt.
Blieb das Safeword. Ich wählte es für ihn: „Kastanie. Der alte Name der Straße. Wenn du es sagst, ist sofort alles wieder, wie es vorher war, ohne Frage und ohne Vorwurf.“ Für den Fall, dass ihm die Stimme wegbleibt, vereinbarten wir ein Zeichen dazu: zweimal die flache Hand auf den Oberschenkel.
Seine erste Aufgabe bekam er noch in Düsseldorf. Er sollte an der Kö einen Lippenstift kaufen, ohne Duftstoffe, an der Theke, und wenn man ihn frage, ob es ein Geschenk sei, antworten: „Nein. Für mich.“ Drei Tage später kam sein Bericht. Aus zwei Geschäften war er wieder hinausgegangen, ohne ein Wort. Im dritten hatte die Verkäuferin gefragt, er hatte geantwortet, und sie hatte nur wissen wollen, welcher Hautton, welcher Unterton. „Niemand hat gelacht“, schrieb er, als könne er es nicht glauben.
„Niemand lacht“, schrieb ich zurück. „Das Lachen, vor dem du dich fürchtest, trägst du selbst mit dir herum. Am Samstag lässt du es in Düsseldorf.“
Den Screenshot seiner Zimmerbuchung im Studio 60 hatte er gleich mit der Anfrage geschickt, die Anzahlung kam am Abend meiner Bestätigung. Er nehme den ICE kurz nach sieben, schrieb er, lieber zwei Stunden zu früh als eine Minute zu spät. Dass er nüchtern kommen würde, musste ich ihm nicht sagen.
Der verhängte Spiegel
Er stand um zehn vor zwei vor der Tür, einen Kleidersack über dem einen Arm, einen flachen Karton unter dem anderen. In dem Raum, den ich für diesen Nachmittag gewählt hatte, hing ein großer Spiegel an der Wand. Ich hatte ihn vor seiner Ankunft mit einem schwarzen Tuch verhängt, und er bemerkte es sofort, wie einer, der beruflich jede Auslage nach dem Fehler absucht.
„Der bleibt zu“, sagte ich. „Bis ich es anders entscheide.“
Zuerst legte er ab, was ihn draußen ausmacht: Uhr, Manschettenknöpfe, Krawatte, Jackett. Das Jackett faltete er so, wie man es im Verkauf lernt, die Schultern nach innen, das Futter nach außen. Ich nahm es ihm aus der Hand, schüttelte es aus und hängte es an einen Haken. „Hier verkaufst du nichts.“
Dann öffnete er den Karton. Das Korsett lag in Seidenpapier, schwarz, das Etikett noch an der Naht. Ich schnitt es mit der Schere ab. Ein kleines Geräusch, und sechs Jahre waren vorbei.
Die Strümpfe zog er auf einem Hocker sitzend an, ich stand vor ihm. Er kannte jedes Garn und jede Fadenstärke, er konnte eine Naht beurteilen, ohne sie zu berühren. Aber seine Hände, die jeden Tag Stoffe prüfen, verdrehten den ersten Strumpf, und die Naht lief schief über die Wade. „Noch einmal.“ Beim zweiten Mal zog er zu hastig. „Du prüfst. Hör auf zu prüfen. Zieh an.“ Beim dritten Mal ging es langsam, und die Naht lief gerade.
Rock, Bluse. Dann das Korsett. Ich schnürte es von hinten, Reihe um Reihe, mit Pausen, in denen er nur stehen und warten durfte. Nach der dritten Runde legte ich die Hand an die Kante. „Atmest du frei?“ – „Ja, Herrin.“ – „Wo stehst du?“ – „Gut. Es ist eng. Und gut.“ Zwei Finger passten darunter, also schnürte ich nicht weiter. Sein Rücken richtete sich auf, ohne dass ich ein Wort sagen musste; das Korsett ließ ihm keine andere Haltung.
Den Lippenstift trug er blind auf. Der Spiegel blieb verhängt, also hielt ich sein Kinn zwischen zwei Fingern und führte ihn nur mit der Stimme. „Langsamer. Von der Mitte nach außen. Nicht korrigieren.“ Oben links geriet ihm die Linie zu weit. Ich ließ sie, wie sie war.
Dann ließ ich ihn gehen. Kleine Schritte durch den Raum, Wende, zurück. Sitzen mit geschlossenen Knien, Aufstehen, ohne die Hände zu benutzen. Antworten mit leiserer Stimme. Er war gut, beinahe zu gut, und nach einer Dreiviertelstunde geschah, worauf ich gewartet hatte. Er lachte. „Wenn mich meine Kolleginnen so sähen, würden sie mir die Kollektion wegnehmen.“ Das Lachen war eine Spur zu laut.
Ich ließ es im Raum stehen, bis es von selbst verging. „Du machst dich lustig“, sagte ich, „damit es kein anderer tun kann. Das ist eine sehr alte Rüstung, und sie passt dir nicht.“
Ich fragte, ob sein Rücken zehn Minuten Stehen trägt. Er nickte, und das Korsett stützte ihn. Dann stellte ich ihn mit dem Gesicht zur Wand, die Hände auf dem Rücken, und setzte mich mit Beauvoir auf den Stuhl hinter ihm. Zehn Minuten kein Wort. Ich blätterte hörbar und sah dabei auf seinen Rücken, auf die Kante des Korsetts, auf seinen Atem, der ruhig ging. In der siebten Minute flüsterte er, ohne sich umzudrehen: „Ich weiß nicht, ob ich das sehen will.“
Ich stand auf und trat neben ihn. „Du kennst das Wort. Kastanie. Du darfst es sagen, dann ziehen wir dich um, und niemand verliert ein Wort darüber. Willst du es sagen?“
Die Pause war lang. „Nein, Herrin.“
„Dann dreh dich um.“
Ich zog das Tuch vom Spiegel.
Was Beauvoir und Heine über Verwandlung wussten
Was er sah, war nicht die Witzfigur, vor der er sich gefürchtet hatte, und auch kein Mann im Kostüm. Er sah jemanden, der gefasst dastand: die Schultern zurück, die Linie des Korsetts, ein roter Mund, der oben links nicht ganz stimmte. Ich sagte nichts. Wie lange diese Stille dauerte, entschied ich, und ich ließ sie dauern. Irgendwann hörte er auf, den Sitz zu prüfen. Er suchte keine Falten mehr, keine Naht, keinen Fehler. Er sah sich an, so genau, wie man jemanden ansieht, den man zum ersten Mal wirklich bemerkt.
Beauvoirs berühmter Satz behauptet nicht, Frauen verkleideten sich. Er sagt, dass gemacht wird, was als weiblich gilt: durch Erziehung, durch Erwartungen, durch die Blicke der anderen. Die Frau ist bei ihr die Andere, diejenige, deren Bild andere entwerfen. F. hatte zwanzig Jahre lang solche Bilder entworfen. Er hatte entschieden, wie lang ein Rock in Düsseldorf zu sein hat und welches Rot in einem Herbst getragen wird. Das ist Macht, eine leise, und er hatte sie nie so genannt.
In meinem Raum stand er auf der anderen Seite. Sein Bild wurde gemacht, nicht von ihm. Er wurde angesehen, gewogen, korrigiert, und gerade das machte ihn nicht kleiner. Es gab ihm eine Form, die er sich selbst nie erlaubt hätte. Die Feminisierung legt dabei auch das Gegenstück offen: Wer zur Frau gemacht wird, merkt, dass er auch zum Mann gemacht wurde. Der dunkle Anzug am Haken war ebenso ein Kostüm wie der Rock, nur eines, für das ihm nie jemand ein Kompliment gemacht hatte.
Heine kannte solche Verwandlungen. Im Juni 1825 ließ er sich taufen, und aus Harry wurde Heinrich. In seinen Notizen nannte er den Taufschein spöttisch das „Entre Billet zur Europäischen Kultur“. Ein Name als Eintrittskarte, bezahlt mit einem Stück von sich selbst. Rollen sind solche Billets. Der Anzug war die Eintrittskarte, mit der F. jeden Morgen die Kö betrat. Das Korsett war eine Eintrittskarte in einen Raum, in dem er keine brauchte.
Und die Macht? Sie lag nicht beim Spiegel, sondern bei der Hand, die das Tuch hält. Ich entschied, wann er sich sieht. Was er sah, konnte ich nicht entscheiden; das gehörte ihm. Beauvoir hat in ihrer Schrift Für eine Moral der Doppelsinnigkeit sinngemäß geschrieben, man könne die eigene Freiheit nicht wollen, ohne die Freiheit der anderen mitzuwollen. Jede Minute dieses Nachmittags lag das Wort Kastanie zwischen uns, und jede Minute, in der er es nicht aussprach, war eine Entscheidung, die er traf. Meine Macht über ihn war geliehen, Minute um Minute, aus seiner Freiheit. Gerade deshalb war sie vollständig.
Kastanie, ungesagt
Den Rückweg gehe ich mit jedem Gast langsam. Ich löste die Schnürung Reihe um Reihe, und die Abdrücke auf seiner Haut verblassten, während er ein Glas Wasser trank. Mit seinen eigenen Tüchern nahm er sich den Lippenstift ab, die verrutschte Linie zuerst. Die Strümpfe durfte er jetzt so falten, wie er es gelernt hatte, und ich sah ihm dabei zu, ohne einzugreifen.
Als er das Jackett wieder anzog, hielt er inne. „Es sitzt anders.“
„Es ist dasselbe Jackett.“
„Ich weiß.“
Wir saßen danach noch eine Weile, er auf dem Hocker neben meinem Stuhl, und sprachen über das Lachen und die Wand, über die sieben Minuten und darüber, dass niemand gelacht hatte, auch er selbst nicht. Ich sagte ihm, dass er das Safeword an diesem Nachmittag dreißigmal hätte sagen können und dreißigmal geschwiegen hatte, jedes Mal aus freien Stücken. Ich hatte ihm nichts weggenommen außer einem Etikett.
Er bekam eine Aufgabe mit an den Rhein. Der Lippenstift wandert in die Innentasche seines Jacketts und bleibt dort vier Wochen, verschlossen. Spürt er ihn bei der Arbeit, richtet er sich auf. Mehr nicht.
Zehn Tage später kam eine kurze Nachricht. Er war am Abend die Kö entlanggegangen, auf der stillen Seite, vorbei am Triton, während die Sittiche in die Platanen fielen. An dem Schaufenster mit der Puppe war er stehen geblieben und hatte nicht nachgesehen, wie er in der Scheibe aussah. Er gehe anders durch die Stadt als früher, schrieb er. Gerader. Er habe sich draußen nichts erlaubt, was jemand hätte bemerken können, und trotzdem sei etwas sichtbar geworden.
Zum Schluss zitierte er Heine, aus Ideen. Das Buch Le Grand: „Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt …“ Heine schrieb den Satz aus der Ferne, und er endet damit, dass einem wunderlich zumute werde, wenn man zufällig dort geboren sei.
Ich habe an diesem Abend in München an Düsseldorf gedacht. An den Graben, der älter ist als der Name der Straße, an der er liegt. An den Triton, der seit 1902 im Wasser steht und nie nachsieht, wie er wirkt. Und an einen Mann, für den der alte Name der Allee jetzt ein Wort ist, das er bei sich trägt und nicht aussprechen musste: Kastanie.
Zwei Stimmen aus dem Gästebuch
F. und der verhängte Spiegel sind ausgedacht. Was jetzt folgt, ist es nicht: zwei echte Einträge aus meinem Gästebuch, wörtlich übernommen. Geschrieben haben sie Gäste, die keine Figuren dieser Erzählung sind, und F. hat keinen davon verfasst. Ich stelle sie hierher, weil der eine von einem Spiegel spricht und der andere von einer Haltung, also von dem, worum die Geschichte vom Kö-Graben kreist.
„Die ersten dreißig Tage waren wie ein langsames Aufwachen aus einem Leben, das ich nie für unzureichend gehalten hatte. Mistress Alexa hat mir nichts genommen. Sie hat mir nur einen Spiegel gegeben, in dem ich mich zum ersten Mal in voller Auflösung gesehen habe.“ — Stefan A., Gästebuch
„Sie hat mich Dinge tun lassen, die ich draußen nie tun könnte. Und ich habe gemerkt, dass es mich nicht klein macht. Im Gegenteil – ich gehe seither aufrechter durch meinen Tag.“ — der Knieende, Gästebuch
Feminisierung in einer echten Session: was aus der Geschichte stimmt
Die Erzählung presst in einen Nachmittag, was sich in Wirklichkeit oft über mehrere Termine entwickelt. Wahr ist das Gerüst darunter. Bevor ich jemanden ankleide, sprechen wir: über das, was du dir wünschst, über Worte, die treffen dürfen, und über jene, die tabu bleiben. Rücken, Kreislauf, Hautverträglichkeit, Medikamente und Allergien gehören in dieses Gespräch und am besten schon vorab in dein Profil im Safe Room. Vor jeder Anfrage bestätigst du die Einverständnis- und Gesundheitserklärung.
Das Safeword legen wir vor Beginn fest. Es beendet jede Handlung sofort, auch mitten in einer Übung; wem in der Rolle die Stimme wegbleibt, der bekommt zusätzlich ein Handzeichen. Ein Korsett schnüre ich so, dass du frei atmest, und ich frage zwischendurch nach, wie es dir geht. Ich erwarte darauf eine ehrliche Antwort, keine tapfere.
Feminisierung buchst du bei mir ab 90 Minuten, ohne Aufpreis auf mein Stundenhonorar, zzgl. Raummiete Studio 60. Für Ankleiden, Haltung und den Rückweg aus der Rolle passt das Intensiv-Format mit drei Stunden gut. Maskentraining, Demütigung und Verbalerotik sind inklusive, ebenso Fixierungen. Ob du Kleidung und Kosmetik mitbringst und welche, klären wir vorher; was ich sehen will, sage ich dir. Kein Geschlechts-, kein Oralverkehr – auch nicht in dieser Rolle.
Wie eine Sissy- oder Zofenerziehung bei mir aufgebaut ist, beschreibe ich unter Feminisierung. Meine Regeln zu Grenzen und Abbruch stehen unter Tabus, Grenzen und Sicherheit.
Von der Kö ins Studio 60: Zug, Flug und Planung
Von Düsseldorf Hbf fahren ICE ohne Umstieg bis München Hbf; die schnellsten brauchen gut viereinhalb Stunden, andere knapp fünf. Laufwege und Fahrzeiten wechseln mit den Baustellen der Bahn, maßgeblich ist die aktuelle Auskunft für deinen Reisetag. Schneller ist das Flugzeug, zumindest auf dem Papier: Die S-Bahn bringt dich vom Hauptbahnhof zum Flughafen Düsseldorf, geflogen wird gut eine Stunde, und vom Münchner Flughafen fährt die S-Bahn in die Stadt. Mit Kontrollen und Wegen schrumpft der Vorsprung allerdings. Wo genau das Studio liegt, erfährst du, sobald ich bestätigt habe und die Anzahlung da ist.
Was Gäste aus Düsseldorf einplanen sollten:
- Früh anfragen, vor allem für Samstage und Abende ab 20 Uhr. Wer fast fünf Stunden anreist, möchte nicht am Vorabend umplanen.
- Das Zimmer im Studio 60 für genau die angefragte Zeit buchen und bezahlen und mir den Screenshot schicken.
- Einen Zug mit mindestens einer Stunde Reserve wählen. Hat er Verspätung, schreib mir sofort; ab 30 Minuten ohne Nachricht gilt der Termin als nicht wahrgenommen, und eine Verspätung verlängert die Session nicht.
- Nüchtern ankommen. Das Altbier hebst du dir für die Rückkehr an den Rhein auf.
- Für eine Feminisierung Kleidung und Kosmetik so packen, dass die Tasche im Gepäckfach keine Fragen aufwirft.
- Nach einem Abendtermin lieber eine Übernachtung in München einplanen als den letzten Zug.
Diskretion gilt in beide Richtungen: Was du mir von deinem Leben in Düsseldorf erzählst, bleibt bei mir, und was im Studio geschieht, verlässt den Raum nicht.