Domina Potsdam: der Weg zu mir führt nach München
Eine Domina in Potsdam bin ich nicht, und ich tue auch nicht so. Meine persönlichen Sessions finden ausschließlich im Studio 60 in München statt – keine Termine an der Havel, keine Besuche bei dir zu Hause oder im Hotel. Wer aus Potsdam zu mir will, reist also an. Fünf Stunden nach Süden sind lang genug, um unterwegs abzulegen, was du nicht mitbringen sollst.
So kommst du zu einem Termin:
- Im Kalender wählst du Art, Tag und Uhrzeit: eine Stunde, Intensiv mit drei Stunden oder Remote mit 45 Minuten.
- Daraus wird mit einem Klick eine fertig formulierte Nachricht an mich, wahlweise über WhatsApp oder Telegram, mit Preis und Referenznummer. Verbindlich wird der Termin erst mit meiner persönlichen Zusage; das Zugticket kaufst du danach, nicht vorher.
- Die Anzahlung von 50 € sichert ihn und wird angerechnet. Das Zimmer buchst und bezahlst du selbst beim Studio 60; die Raummiete kommt zu meinem Honorar hinzu.
- Mein Honorar beträgt 250 € je Stunde, für Stunden ab 20 Uhr 300 €; Einzelheiten stehen unter Preise.
Wer die Reise noch scheut oder erst hören will, wie ich führe, bucht eine Remote-Session per Video: 45 Minuten, ab 180 €, von überall. Ich spreche und schreibe Deutsch und Englisch. Worum es in der Erzählung weiter unten geht, einen ganzen Tag unter meiner Führung, beschreibe ich grundsätzlich im Essay Totale Kontrolle.
Potsdam bei Nacht: Schiffbauergasse, Babelsberg und die Bahn nach Berlin
Potsdam ist keine Stadt, die laut wird. Ihre Nächte enden früher als die der großen Nachbarin im Nordosten, aber sie haben Orte, die man kennen sollte, bevor man über sie urteilt.
- Waschhaus an der Schiffbauergasse. Gebaut als Dampfwäscherei der preußischen Garnison, seit den frühen Neunzigern ein Kulturhaus am Ufer des Tiefen Sees: Konzerte, Clubnächte, Lesungen, Tanz und Ausstellungen im Kunstraum, im Sommer Konzerte unter freiem Himmel.
- Lindenpark in Babelsberg. Ein Jugendkultur- und Familienzentrum, das abends zur Bühne wird – für Rock und Metal, für Salsa, Tanzcafé und DJ-Nächte.
- freiLand an der Friedrich-Engels-Straße. Ein Kulturgelände mit eigenen Hallen, auf dem auch der Klub Spartacus zu Hause ist, mit Konzerten und Clubnächten.
- Holländisches Viertel. 134 rote Backsteinhäuser in vier Karrees, unter dem aus Amsterdam stammenden Baumeister Jan Bouman errichtet und 1742 vollendet. Abends sitzt man hier in kleinen Kneipen, Restaurants und Cafés.
Wer Fetisch sucht, fährt nach Berlin. Mit dem Regionalexpress ist man in rund 25 Minuten am Hauptbahnhof, und von dort ist es nicht weit zu Clubs mit strengem Dresscode wie dem KitKatClub in Mitte. Jeden September füllt das Straßenfest von Folsom Europe die Fuggerstraße in Schöneberg mit Leder und Gummi, zuletzt am 11. und 12. September 2026. Studios in Potsdam selbst nenne ich hier nicht; wer Szene und Auswahl sucht, schaut nach Berlin, wie ich auf der Seite Domina Berlin beschreibe.
Hundertzweiunddreißig Stufen und ein Komma
Diese Geschichte ist frei erfunden. Ihre Orte sind es nicht.
An einem Sonntag Ende September stand ich kurz nach zehn auf der obersten Terrasse von Sanssouci. Ich war privat in der Stadt, für zwei Tage und ohne Termine. Unter mir fiel der Weinberg in sechs breiten Stufen ab, die Mauern nach innen geschwungen wie zu einer Umarmung, und in ihren verglasten Nischen standen Feigenbäume hinter Scheiben, als hätte jemand den Süden in Vitrinen gesperrt, damit er den Brandenburger Winter übersteht. Hinter den dunklen Eibenpyramiden stieg unten im Parterre das Wasser der Großen Fontäne auf. Friedrich hatte das Becken 1748 anlegen lassen, und zu seinen Lebzeiten sprang sie nie; erst rund hundert Jahre später drückte eine Dampfmaschine das Wasser nach oben. Ich mag Orte, an denen ein Wille sichtbar bleibt, auch dort, wo er gescheitert ist.
Der Mann, der mir auffiel, zählte. Er kam die Mittelachse herauf, hundertzweiunddreißig Stufen in sechs Abschnitten, und seine Lippen bewegten sich mit. Oben hielt er ein Telefon ans Ohr und gab vier Anweisungen in vier Sätzen: eine Uhrzeit, einen Namen, eine Zahl, ein Nein. Dann steckte er es weg und blieb vor der Gartenfassade stehen, unter den Sandsteinfiguren, die Friedrich Christian Glume 1746 als Gefolge des Bacchus gemeißelt hat, und las die vergoldeten Buchstaben über dem Mittelfenster.
„Das Komma“, sagte ich, weil ich sah, dass es ihn störte. SANS, SOUCI. – mit Komma und Punkt, eine Kleinigkeit, über deren Sinn bis heute gerätselt wird.
„Bei uns würde das jemand nachdrehen“, sagte er.
Bei uns hieß Babelsberg, wo seit 1912 Filme entstehen. Er war Produzent, am nächsten Morgen begann ein Dreh mit dreihundertvierzig Namen auf der Tagesdisposition, und er wusste von jedem, wann er geweckt wird, wann er isst und mit wem er spricht. Er sagte es ohne Stolz, eher wie jemand, der eine Last beschreibt, die er nicht mehr spürt, weil er sie nie absetzt. Ich nenne ihn hier T.; mehr von seinem Namen braucht diese Geschichte nicht.
Wir gingen zum Grab auf derselben Terrasse, einer schlichten Steinplatte. Friedrich wollte hier liegen, nachts beigesetzt, mit kleinstem Gefolge und beim Schein einer Laterne. Den Ort bekam er erst 1991, an seinem zweihundertfünften Todestag; das kleine Gefolge bekam er nie. Auf dem Stein lagen Kartoffeln, wie sie Besucher dort ablegen, weil man sich an seine Anbaubefehle erinnert.
„Ein König, der ein Haus ohne Sorge wollte“, sagte T. „Hat es funktioniert?“
„Er nannte den Herrscher den ersten Diener seines Staates“, antwortete ich. „Wer allen dient, gehört niemandem. Sich selbst am wenigsten.“
Er lachte nicht. Er fragte, was ich beruflich mache. Ich sagte es ihm: Ich bin Domina. Manchmal übernehme ich die Tage anderer Menschen, wenn sie mich ernsthaft darum bitten, und was dabei hinter einer Tür geschieht, geschieht in München, in einem Studio, an keinem anderen Ort. Er könne mir schreiben, sobald er wisse, was er abgeben wolle. Nicht vorher.
Ein Drehplan, den ich nicht lese
Seine erste Nachricht kam elf Tage später, nachts um zwei, und sie war ein Drehplan. Er hatte aufgeschrieben, was er sich vorstellte, mit Uhrzeiten, Orten und Szenen, sauber nummeriert. Ich antwortete mit einem Satz: Ich lese keine Drehbücher, die ein anderer für mich geschrieben hat. Wer die Kontrolle abgeben will, hört zuerst mit dem Planen auf.
Die zweite Nachricht war kürzer. Er wolle einen Tag, an dem er nichts entscheidet. Keine Stunde, in der er sich fallen lässt, um danach wieder alles im Griff zu haben, sondern einen Tag mit Morgen und Abend, an dem jemand anders weiß, was als Nächstes kommt.
Dann begann, was er für Bürokratie hielt und ich für das Fundament. In seinem Profil im Safe Room stand, dass er morgens Tabletten gegen hohen Blutdruck nimmt und seine rechte Schulter seit einem Sturz bei Dreharbeiten keine Arme hinter dem Rücken verträgt. Ich fragte nach Spuren, die er am Montag erklären müsste. Ich fragte, wer ihn im Notfall erreicht und wer an diesem Tag für seine Produktion entscheidet. Ich fragte, wovor er sich fürchte. Er brauchte eine Nacht für die Antwort: nicht zu wissen, wie spät es ist.
Wir legten den Rahmen schriftlich fest, wie er es gewohnt war, nur schrieb diesmal ich. Ein Sonntag im Oktober in München, von sieben Uhr morgens bis elf Uhr abends. Drei Stunden davon im Studio 60, ab dreizehn Uhr, das Intensiv-Format; der Rest in der Stadt, nach meinem Plan. Meine Verfügung galt fünf Dingen: Kleidung, Mahlzeiten, Wege, Sprechen, Zeit. Ausgenommen blieben seine Gesundheit, seine Tabletten, jeder Notfall und jeder Mensch, der nicht gefragt worden war – niemand außer uns beiden sollte Teil dieses Tages werden. Alkohol gab es nicht, den ganzen Tag nicht.
Als Safeword wählte er Glienicke, nach der Brücke zwischen Potsdam und Berlin, auf der im Kalten Krieg Agenten ausgetauscht wurden. „Ein Wort, bei dem jeder auf seine Seite zurückgeht“, schrieb er. Für die Zwischentöne nahmen wir Farben: Grün heißt weiter, Gelb heißt langsamer, und Glienicke beendet alles, im Studio wie draußen, sofort und ohne Rückfrage.
Er wählte den Termin im Kalender, buchte das Zimmer beim Studio 60 und schickte mir den Screenshot, bevor ich irgendetwas bestätigte. Eine Woche vor dem Sonntag bekam er einen Umschlag mit der Post. Darin lagen zwei verschlossene, nummerierte Karten in meiner Handschrift und ein Satz: Die erste öffnest du in München, die zweite erst auf das Zeichen, das auf der ersten steht. Am Vorabend, schrieb ich dazu, legst du deine Uhr in einen eigenen Umschlag, klebst ihn zu, unterschreibst quer über die Lasche und trägst ihn bei dir. Dein Telefon bleibt aus; einschalten darfst du es nur im Notfall. Er fragte, ob das nötig sei. Ich antwortete nicht.
München ohne Uhr
Die erste Karte, die er am Samstagabend im Hotel öffnete, nannte genau eine Uhrzeit, und die gehörte nicht ihm: Weckruf um sieben, an der Rezeption zu bestellen. Alles Weitere hing an Dingen, die er nicht besaß. Dunkle Hose, weißes Hemd, keine Krawatte, keine Uhr. Zum Frühstück Brot, ein Ei, Tee statt Kaffee, die Tabletten. Danach zu Fuß in die Altstadt und auf den Turm von St. Peter, ohne die Stufen zu zählen. Oben warten, bis drüben im Rathausturm das Glockenspiel beginnt. Erst dann die zweite Karte. Sprechen nur mit Menschen, die ihn bedienen, und nur, um zu bestellen oder zu danken.
Er erzählte mir später, was dieser Vormittag mit ihm gemacht hatte. Am Frühstückstisch griff seine rechte Hand dreimal nach dem linken Handgelenk, wo nichts war. Auf dem Weg in die Altstadt ging er zu schnell, weil er nicht wusste, ob er zu spät war. Uhren gab es trotzdem überall, an Kirchtürmen, in Schaufenstern, über den Abgängen zur U-Bahn. Die Regel hieß nicht, keine zu sehen, sondern nicht hinzusehen, und er lernte an diesem Vormittag, an Zifferblättern vorbeizublicken wie an Bekannten, denen man nicht begegnen will. Im Turm ertappte er sich nach wenigen Absätzen beim Zählen und verzählte sich daraufhin absichtlich, um die Zahl nicht zu erfahren; die kannte ich, er sollte sie nicht kennen. Oben auf der Plattform stand er zwischen Fremden, die alle auf ihre Telefone sahen und ihm die Zeit hätten sagen können. Er fragte niemanden. Das, sagte er, sei der erste Gehorsam gewesen, den ihm keiner befohlen hatte: nicht fragen, obwohl die Antwort überall herumstand.
Um elf setzten sich drüben die Figuren in Bewegung, und er öffnete die zweite Karte. Sie war kurz: Geh hinunter. Kauf dir eine Brezn und ein Wasser, iss im Stehen auf dem Platz. Wenn das Glockenspiel zum zweiten Mal beginnt, fährst du los. Er stand fast eine Stunde zwischen den Leuten und sah ihnen zu, wie sie Entscheidungen trafen: welches Café, welche Richtung, ob noch ein Foto. Er hatte keine zu treffen. Niemand auf dem Platz sah ihm etwas an. Es sei eine Erleichterung gewesen, schrieb er mir Wochen später, für die er sich zuerst geschämt habe – als hätte er sich etwas gegönnt, das ihm nicht zusteht.
Nach dem zweiten Glockenspiel ging er zur S-Bahn, ohne zu wissen, wie lange die Fahrt dauern würde. Er klingelte im Studio 60, und ich öffnete.
„Du bist pünktlich“, sagte ich. „Und du weißt nicht, warum.“
Das Halsband und die Uhr im Rücken
Er legte den Rest meines Honorars auf den Tisch, wie vereinbart, und daneben den Umschlag mit seiner Uhr, die Unterschrift quer über der Lasche. Ich ließ ihn liegen. Zuerst fragte ich, was ich vor jeder Session frage, auch wenn es längst in den Nachrichten stand: ob er die Tabletten genommen habe, ob er nüchtern sei, ob sich an der Schulter etwas verändert habe. Dann sprach er das Safeword einmal laut aus, damit wir es beide gehört hatten. Glienicke.
Das Halsband war aus schwarzem Leder, breit und schlicht, mit der Schnalle im Nacken. Ich schloss es so, dass zwei Finger zwischen Leder und Haut passten, und prüfte es mit diesen zwei Fingern, während er still hielt. Kein Ring, keine Leine, kein Zug. Ein Halsband hält nichts fest, sagte ich ihm. Es zeigt nur, wem der Rest des Tages gehört.
Dann stellte ich die Uhr auf: eine kleine Reiseuhr aus Messing, deren Ticken in einem stillen Raum größer wird, als man es einem so kleinen Gehäuse zutraut. Ich stellte sie hinter ihn auf den Boden, das Zifferblatt zur Wand. Hören konnte er sie die ganze Zeit. Sehen nicht.
Die erste Stunde gehörte der Haltung. Er kniete auf einem Polster, das ich ihm hinlegte, ohne dass er darum bitten musste, und hielt ein Tablett mit einem Glas Wasser auf Brusthöhe, bis ich ihm erlaubte, es abzustellen. Ich las, schrieb etwas in meinen Kalender, ließ ihn stehen, knien, wieder stehen. Er war Ablage, Diener, Möbelstück – und vor allem war er wartend. Für einen Mann, dessen Beruf darin besteht, dass niemand auf ihn warten muss, ist Warten eine Sprache, die er nie gelernt hat.
Irgendwann fragte ich beiläufig: „Wie spät ist es?“ Er zögerte nur einen Atemzug. „Kurz vor zwei.“ Damit hatte er verraten, was ich vermutet hatte. Die Zeit gehörte an diesem Tag mir, so stand es in dem Rahmen, den er selbst bestätigt hatte, und er hatte sie heimlich weitergezählt, Ticken um Ticken, wie die Stufen auf der Treppe in Sanssouci. Ich sagte nichts dazu. Stattdessen sollte er mir sagen, wann von jetzt an zehn Minuten vergangen seien, gemessen am Ticken hinter seinem Rücken. Nach knapp sechs Minuten sagte er: „Jetzt.“ Er war, wie immer in seinem Leben, zu früh – und er hatte eine Zeit behauptet, die er nicht besaß.
Was ein Verstoß gegen die Ordnung des Tages kosten würde, hatten wir vorher festgelegt: sechs Schläge mit dem Rohrstock, von ihm laut gezählt. Ich fixierte seine Handgelenke mit Ledergurten vor dem Körper, nicht hinter dem Rücken, wegen der Schulter, und fragte nach seiner Farbe. „Grün.“ Ich gab ihm die sechs langsam, mit Pausen, in denen nur die Uhr sprach. Er zählte. Bei der vierten wurde seine Stimme leiser, bei der sechsten war sie ruhig.
Gelb, dann Stille
In der zweiten Stunde ließ ich ihn wieder knien, die Hände noch gebunden, und nach einer Weile sagte er ein Wort, auf das ich gewartet hatte, ohne es mir zu wünschen. „Gelb.“ Die Schulter zog. Ich löste die Gurte sofort, ließ ihn die Arme sinken, prüfte Wärme und Gefühl in seinen Händen und setzte ihn auf einen niedrigen Hocker. Gelb ist kein Verstoß, sagte ich. Gelb ist eine Auskunft, und ich brauche jede, die du mir geben kannst. Er nickte, und ich sah, dass ihn diese Antwort mehr erschütterte als die sechs Schläge davor.
Dann kam die Stille. Ich setzte mich hinter ihn, neben die Uhr, und sagte lange nichts. Das Ticken füllte den Raum, Sekunde um Sekunde, und ich sah, wie er anfangs dagegen anrechnete, wie seine Schultern die Minuten mitzählten, wie sein Kopf weiter einen Plan schrieb, den ihm niemand abverlangte. Ich wartete. Ich kann warten; das gehört zu dem, was ich anbiete.
„Willst du wissen, wie spät es ist?“, fragte ich irgendwann.
Er brauchte lange. Dann sagte er: „Nein.“
Ich habe diesen Moment oft erlebt und kann ihn nicht genauer beschreiben als so: Ein Mensch hört auf, gegen die Zeit zu arbeiten, und beginnt, in ihr zu sein. Seine Schultern sanken. Sein Atem wurde langsamer als das Ticken. Er hatte zum ersten Mal an diesem Tag nicht einmal mehr den Wunsch, etwas zu wissen, und das war mehr Hingabe als jedes Knien.
In der dritten Stunde las ich ihm den Rest des Tages vor, und er durfte nichts davon aufschreiben und nichts kommentieren. Wenn das Glockenspiel zum dritten Mal spielt, stehst du wieder auf dem Marienplatz und siehst zu, bis die Figuren stillstehen. Zu Abend isst du, was der Kellner empfiehlt. Über diesen Tag sprichst du mit niemandem. Wenn oben am Rathaus Nachtwächter und Engel erscheinen und das Wiegenlied das Münchner Kindl in die Nacht begleitet, gehst du ins Hotel. Den Umschlag mit deiner Uhr öffnest du, wenn die Glocken elf schlagen. Er sagte: „Ja.“ Mehr nicht.
Bevor er ging, saß er eine Weile auf dem Hocker, eine Decke um die Schultern, ein Glas Wasser in beiden Händen. Ich fragte nach der Schulter, nach den Händen, nach dem Kopf, und ich erlaubte ihm, in ganzen Sätzen zu antworten. Ich ließ ihn reden, bis seine Stimme wieder fest war.
Zum Schluss öffnete ich seinen Umschlag. Die Uhr ging fünf Minuten vor, natürlich. Ich stellte sie richtig, legte eine gefaltete Karte dazu, steckte beides in einen neuen Umschlag, klebte ihn zu und unterschrieb quer über die Lasche, wie er es am Vorabend getan hatte. Dann löste ich die Schnalle im Nacken und nahm ihm das Halsband ab. Die Stelle, wo es gelegen hatte, berührte er noch, als er schon an der Tür stand.
Erster Diener, oberste Terrasse
Friedrich hat Sanssouci gebaut, um sich von einem Staat zu erholen, dessen erster Diener er sein wollte. Das ist der Widerspruch, den T. auf den Terrassen gespürt hatte, ohne ihn benennen zu können: Wer über alles entscheidet, dient allem. Dreihundertvierzig Menschen auf einer Tagesdisposition sind keine Macht, sie sind eine Pflicht, die nie Feierabend hat. Totale Kontrolle hat diese Ordnung für einen Tag umgedreht. Er diente nur noch einem Plan, und dieser Plan hatte ein Ende.
Darin liegt, glaube ich, das Geheimnis des Kommas. SANS, SOUCI. Zwischen ohne und Sorge steht eine Pause, ein Atemzug. Die Sorge ist nicht abgeschafft, sie ist für einen Moment beiseitegelegt, und danach kommt ein Punkt. Hingabe braucht diesen Punkt. Niemand gibt sich einem Rahmen hin, der kein Ende hat; man gibt sich einem hin, dessen Ende feststeht. Die Feigen in den Nischen wachsen in Brandenburg auch nur, weil Mauer und Glas sie halten. Ohne Rahmen keine Frucht.
Voltaire, der von 1750 bis 1753 am Hof in Potsdam lebte und im Streit mit dem König ging, veröffentlichte sechs Jahre später den Candide. Nach allen großen Systemen, die erklären wollen, warum die Welt ist, wie sie ist, nach allen Katastrophen und Spekulationen bleibt am Ende ein schlichter Satz: „Il faut cultiver notre jardin.“ Wir müssen unseren Garten bestellen. Kein Weltentwurf, eine Aufgabe. An jenem Sonntag in München hatte T. lauter solcher Aufgaben bekommen, klein und nicht verhandelbar, und keine davon verlangte, dass er die Welt versteht.
Um elf in der Nacht hörte er in seinem Hotelzimmer die Glocken schlagen und öffnete den Umschlag. Die Uhr ging richtig. Auf der Karte stand in meiner Handschrift nur dieser Satz von Voltaire.
Am Montag fuhr er zurück, erst mit dem ICE nach Berlin, dann mit dem Regionalexpress nach Potsdam. Wochen später schrieb er mir. Er hatte seine Herstellungsleiterin einen Drehtag lang allein entscheiden lassen und war an einem Sonntag nach Sanssouci gegangen, ohne Termin danach. Er habe geglaubt, wer sich führen lässt, gebe etwas auf, schrieb er. Inzwischen wisse er, dass man erst etwas besitzen muss, das sich abgeben lässt.
Ich stelle mir die Terrassen an diesem Morgen vor: die Feigen hinter dem Glas, die Fontäne unten im Parterre, die Kartoffeln auf dem Stein. Einen Mann auf der obersten Stufe, die Uhr am Handgelenk, ohne auf sie zu sehen. Seine Nachricht endete mit einem Satz: Ich habe nicht gezählt.
Zwei Stimmen aus dem Gästebuch
Die beiden folgenden Einträge stammen aus meinem Gästebuch. Sie sind echt und wörtlich übernommen, und sie gehören nicht zu den Figuren der Erzählung: T. ist erfunden, die beiden Gäste, die das geschrieben haben, sind es nicht.
„Ich war einen ganzen Samstag unter ihrer Führung. Sie hat entschieden, was ich anziehe, wann ich esse, mit wem ich spreche – obwohl ich draußen war, im normalen Leben. Niemand hat etwas gemerkt. Ich war innerlich in einem Zustand, der mit nichts vergleichbar ist.“ — ihr Werkzeug, Gästebuch
„Sie sagt mir, was ich tun soll, und ich tue es. Nicht weil ich muss. Weil ich endlich nicht mehr selbst entscheiden muss. Das ist keine Schwäche. Das ist der Luxus, den ich mir in meinem normalen Leben nie leisten kann.“ — dein L., Gästebuch
Totale Kontrolle in einer echten Session
Was in der Erzählung ein ganzer Tag ist, beginnt in Wirklichkeit kleiner und wächst nur, wenn das Fundament trägt. Totale Kontrolle heißt bei mir nicht, dass ich dir eine Stunde lang Befehle gebe. Es heißt, dass ich für einen festgelegten Zeitraum über festgelegte Bereiche deines Lebens entscheide – und dass beides vorher feststeht, ausdrücklich besprochen, mit Anfang und Ende.
- Vorgespräch: Wir klären, welche Bereiche ich übernehme, etwa Kleidung, Mahlzeiten, Wege oder Sprechen, und was ausgenommen bleibt: Gesundheit, Medikamente, Notfälle, berufliche Pflichten und jeder Mensch, der nicht selbst eingewilligt hat. Außenstehende werden nie Teil des Spiels.
- Gesundheit: Blutdruck, Herz, Gelenke, Allergien und Medikamente teilst du mir vorher mit, am besten im Profil im Safe Room; vor jeder Anfrage bestätigst du die Einverständnis- und Gesundheitserklärung.
- Safeword: Es beendet alles sofort, im Studio wie in den Stunden draußen. Zwischendurch frage ich nach deiner Farbe, und Gelb ist nie ein Verstoß.
- Nüchtern: Ins Studio kommst du ohne Alkohol und Drogen, sonst empfange ich dich nicht. Was für die Stunden davor und danach gilt, legen wir im Vorgespräch fest.
- Preis: Versklavung über die Session hinaus vereinbare ich ab 180 Minuten. Den Rahmen bildet das Intensiv-Format mit drei Stunden, ab 13 Uhr 750 €, ab 19 Uhr 850 €, jeweils zzgl. Raummiete Studio 60. Fixierungen, Rollenspiele und Rohrstockerziehung sind im Stundenpreis inklusive.
Kein Geschlechts-, kein Oralverkehr. Totale Kontrolle steht nicht am Anfang: Wer mich noch nicht kennt, beginnt in der Regel mit einer gewöhnlichen Session; ob und wann daraus ein Tag unter meiner Führung wird, entscheide ich. Wie Regeln und Rituale über mehrere Begegnungen wachsen, steht unter Sklavenerziehung, die Grundlagen zu Grenzen und Abbruch unter Tabus, Grenzen und Sicherheit.
Von Potsdam ins Studio 60
Von Potsdam nach München führt der schnelle Weg über Berlin. Der Regionalexpress RE1 braucht vom Potsdamer Hauptbahnhof rund 25 Minuten bis Berlin Hauptbahnhof, die S7 etwas länger. Dort steigst du in den ICE: Die Sprinter mit wenigen Halten schaffen die Strecke nach München in rund vier Stunden, die übrigen Züge in etwa viereinhalb. Mit Umstieg und Puffer rechnest du mit rund fünf Stunden bis München Hbf; von dort fährt die S-Bahn in den Nordwesten der Stadt. Die genaue Adresse des Studios bekommst du mit der Bestätigung.
- Früh planen. Für einen Termin am frühen Nachmittag reist du am Vorabend an oder nimmst einen der ersten Züge; für den Abendtarif ab 20 Uhr genügt ein Zug am Vormittag. Hat die Bahn Verspätung, schreib mir. Ab 30 Minuten Verspätung ohne Nachricht gilt der Termin als nicht wahrgenommen, und Verspätung verlängert die Zeit nicht.
- Zimmer zuerst. Das Zimmer buchst und bezahlst du selbst beim Studio 60, den Screenshot der Buchung schickst du mit deiner Anfrage.
- Nüchtern und pünktlich. Das Glas Wein im Bordrestaurant bleibt stehen. Wer getrunken hat, wird nicht empfangen.
- Diskretion. Fünf Stunden Bahnfahrt sind Abstand genug. In Potsdam muss niemand wissen, wohin du fährst; was im Studio geschieht, bleibt dort, bei mir wie bei dir.
Wer aus der Nachbarschaft anreist, findet seine eigene Strecke beschrieben, etwa unter Domina Magdeburg.